12.08.2017

KommentarArrogant und mitleidslos

Warum Sexismus ein Produkt der Kultur im Silicon Valley ist
Das Silicon Valley hat ein Sexismusproblem. Nicht erst, seit ein Text eines Google-Mitarbeiters an die Öffentlichkeit geraten ist, der den Männerüberschuss in der IT-Branche auf "biologische Ursachen" zurückführt. Frauen seien von der Evolution benachteiligt und daher weniger geeignet für Programmiererjobs, so die krude Argumentation.
Warum häufen sich diese Vorfälle ausgerechnet im Silicon Valley, jenem Fleck Erde, der wie kein anderer für Fortschritt steht und hochintelligente Menschen anzieht? Frauen erleben dort ja nicht nur Karrierenachteile, sondern werden regelmäßig Opfer von sexuellen Übergriffen.
Tatsächlich ist es kein Zufall, dass es immer wieder das Silicon Valley trifft. Vielmehr ist Sexismus ein Produkt der dortigen Kultur. Das Silicon Valley ist ein Ort des Größenwahns. Google, Apple, Facebook sind bedingungslos von ihrem Weg überzeugt. Auf Kritik reagieren sie mit Hochmut. Dabei haben sie den Blick verloren für alles und alle, die anders sind als sie selbst. Das Ergebnis ist ein Klima der fehlenden Empathie. Denn genauso liest sich das Manifest des Google-Mitarbeiters: mitleidslos und voller Selbstmitleid zugleich. Aus seiner Sicht ist der weiße, männliche Nerd eine bedrohte Spezies. Google hat den Mann inzwischen gefeuert, was vor allem ein PR-Manöver ist. Das eigentliche Problem löst es nicht. Denn das liegt in der Kultur der Technologiekonzerne. Erst wenn die ihre Arroganz ablegen, kann auch der Sexismus verschwinden.
Von Ann-Kathrin Nezik

DER SPIEGEL 33/2017
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