12.08.2017

Magische Momente„Ich war der Neymar der Bundesliga“

Der Belgier Roger Van Gool, 67, erster Millionentransfer der Fußballbundesliga, über irrsinnige Ablösesummen
SPIEGEL: Sie wechselten 1976 für die Rekordsumme von einer Million Mark aus Brügge zum 1. FC Köln. Für die Fußballbundesliga war es ein Meilenstein. Waren Sie das Geld wert?
Van Gool: Ich war damals der Neymar der Bundesliga. "Maßlos, überzogen", so haben die Medien darüber berichtet. Dann bin ich mit Köln Meister und Pokalsieger geworden und wurde vier Jahre später für 200 000 Mark mehr nach England verkauft. War ich also zu teuer? Ich denke nicht.
SPIEGEL: Kann man Ihren Transfer von vor 40 Jahren mit dem Irrsinn eines 222-Millionen-Euro-Deals im Fall Neymar vergleichen?
Van Gool: Irrsinn oder nicht, das ist nicht die Frage. Fußball ist ein Geschäft. Wenn du für 100 Millionen Euro Messi holst, wäre das noch viel zu billig. Ich würde es sofort machen. Einen Spieler aus Südamerika für eine Million verpflichten, den ich später nicht mehr loswerde? Der ist zu teuer.
SPIEGEL: Nur ein Jahr nach Ihrem Transfer wurde Kevin Keegan vom Hamburger SV für 2,3 Millionen Mark verpflichtet. Schon damals gab es große Sprünge, gibt es irgendwo eine Grenze?
Van Gool: Ich weiß nicht, wo die Grenze liegt. Ich glaube nicht, dass ein Spieler einmal eine Milliarde kosten wird. Aber wer weiß das schon. Die Vereine haben bisher mit dem Namen von Neymar immer viele Trikots verkauft. Das war ein gutes Geschäft. Wenn dann noch zwei Vereine um einen Spieler buhlen, dann ist es nichts anderes, als wenn du deine alte Schrottkarre verkaufen willst: Sobald es zwei Interessenten gibt, ist Musik drin und der Preis steigt.
SPIEGEL: Sie haben in Köln 500 000 Mark verdient. Geld verdirbt den Charakter, heißt es. Stimmt das?
Van Gool: Mein Vater hat verhindert, dass ich die Bodenhaftung verliere. Manche Spieler glauben heute, dass ihnen die Welt gehört, wenn sie gut gegen den Ball treten können. Die machen dann den größten Blödsinn.
SPIEGEL: Wird es auch in Zukunft Spieler geben, die nach ihrer Karriere pleite sind?
Van Gool: Du musst immer aufpassen, dass dir niemand das Geld aus der Tasche zieht. Aber ich denke, die meisten Profis werden noch was zurückbehalten von ihrer Karriere. Die Summen sind zehnmal so hoch wie zu meiner Zeit. Es wird immer schwerer, alles auszugeben.
Von Jdo

DER SPIEGEL 33/2017
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