19.08.2017

Magische Momente„Schwul sind wir auch nicht alle“

Der Synchronschwimmer Niklas Stoepel, 25, über ungewohnte Bilder im Wasser
Niklas Stoepel,
SPIEGEL: Im Juli haben Sie an der Schwimm-WM in Budapest teilgenommen. Als einziger Mann neben zwölf Frauen im deutschen Team. Wie war das?
Stoepel: In diesem Becken vor 3000 Leuten mit meiner Partnerin Amélie Ebert in der letzten Veranstaltung zu schwimmen, das war unglaublich. Schon die Vorkür war ausverkauft. Und es gab viel Applaus für die Mixed-Duette.
SPIEGEL: Synchronschwimmen gilt als Frauensport. Gab es böse Blicke und derbe Sprüche?
Stoepel: Früher gab es das, aber das ist weniger geworden. Wir schminken uns nicht, und schwul sind auch nicht alle. Und wir nehmen niemandem etwas weg. Wir wollen nicht mit den Frauen konkurrieren, sondern die Wettbewerbe ergänzen. Das hat gefehlt.
SPIEGEL: Sind Männer für den Sport geeignet?
Stoepel: Frauen sind einfach viel beweglicher. Da sind wir im Nachteil, aber wir sind stärker. Das ist bei den Hebefiguren ein Plus. Die sind beim Mixed viel spektakulärer. Wir gehen ganz andere Wege, wollen vor allem dramaturgisch eine Geschichte erzählen – wie beim Eiskunstlauf.
SPIEGEL: Bei der WM gibt es seit zwei Jahren gemischte Duette. Wann dürfen Sie bei Olympia starten?
Stoepel: Der Antrag beim IOC ist gestellt. Jetzt heißt es, Werbung für uns zu machen. Gut ist, dass wir immer mehr werden. Brasilien, China, Panama und wir waren jetzt zum ersten Mal dabei. Viele Nationen trainieren schon. Man kommt nicht mehr an uns vorbei. Wir sind da!
SPIEGEL: In Budapest landeten Sie mit Ihrer Partnerin auf den hinteren Plätzen. Sehen Sie das als Misserfolg?
Stoepel: Nein, denn wir sind noch nicht so lange dabei. Aber es ist schön, dass wir jetzt den Sport mitgestalten können. Es ist ja alles neu, alles ist im Wandel. Jedes Duett hat seine Ideen. Wir bekommen laufend Feedback von den Punktrichtern.
SPIEGEL: Wie kommt man als Fußballfan des VfL Bochum zum Synchronschwimmen?
Stoepel: Anfangs war das nur ein Spaß im Schwimmverein: viel ausprobieren. Dann ist es immer ernster geworden, und ich habe gemerkt, hey, das ist motorisch und geistig ganz schön anspruchsvoll.
Von Jdo

DER SPIEGEL 34/2017
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