02.09.2017

Jemen„Wir brauchen 50 Tonnen Medizin“

Der Gesundheitsbeamte Khaled Abdul Karim al-Madani, 35, von der mit Saudi-Arabien verfeindeten, selbst ernannten HuthiRegierung über die Choleraepidemie im isolierten Bürgerkriegsland
SPIEGEL: Wie viele Menschen sind an Cholera erkrankt?
Madani : 500 000 Jemeniten sind inzwischen infiziert, täglich sterben 100 Menschen, 5000 weitere stecken sich neu an. Davon können wir nur einen Bruchteil behandeln.
SPIEGEL: Warum gibt es so extrem viele Neuinfektionen?
Madani: Das Cholerabakterium wird über kontaminiertes Trinkwasser übertragen. Die 20 Trinkwasserbrunnen von Sanaa zum Beispiel wurden von der saudi-arabisch geführten Koalition zerbombt. Die Menschen sind jetzt gezwungen, ihr Wasser aus unterschiedlichsten Quellen zu holen. Davon sind viele verseucht.
SPIEGEL: Wie ließe sich die Ausbreitung der Seuche stoppen?
Madani: Eigentlich wäre die Heilung kein Problem, die Behandlung kostet nur 35 Cent pro Patient. Die See- und Luftblockade macht es bisher kaum möglich, Medikamente ins Land zu bringen. Wir benötigten 50 Tonnen Medizin, etwa Ciprofloxacin, außerdem Hilfsteams, die saubere Wasserquellen identifizieren.
SPIEGEL: Warum gelangen so wenige Hilfsgüter nach Sanaa?
Madani: Die Saudi-Araber konnten mit ihren Bomben nicht den erhofften Sieg erreichen. Nun wollen sie uns von innen heraus zerstören.
Von Suk

DER SPIEGEL 36/2017
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