02.09.2017

Magische Momente„Je erfolgreicher, desto eifersüchtiger“

Die Dressurreiterin Isabell Werth, 48, über die Besonderheiten ihrer Pferde
SPIEGEL: Sie wurden am vergangenen Wochenende in Göteborg Europameisterin. Es war sehr knapp in der Kür – war auch Ihre Stute Weihegold angespannt?
Werth: Mein Mannschaftskamerad Sönke Rothenberger hatte ein hervorragendes Ergebnis vorgelegt, das hat uns hochgepusht. Weihegold und ich waren vollkommen fokussiert. Es war ein Highlight meiner Laufbahn.
SPIEGEL: Sie haben mit sieben Pferden 30 Goldmedaillen bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften gewonnen. Ist Weihegold Ihr bestes?
Werth: Sie ist momentan das kompletteste Grand-Prix-Pferd, ein herrliches Damenpferd. Kein Pferd reicht an die außergewöhnliche Ausstrahlung von Bella Rose heran. Ich will aber keine Rangfolge festlegen, das wäre illoyal gegenüber meinen Pferden.
SPIEGEL: Frau Werth, Ihre Pferde werden den SPIEGEL nicht lesen.
Werth: Aber sie spüren, welche Achtung man ihnen gegenüber zeigt. Jedes Pferd hat Vor- und Nachteile. Gigolo zum Beispiel, mein erfolgreichstes Pferd, war extrem leistungswillig und athletisch. Aber leider nicht so schön.
SPIEGEL: Weihegold und die verletzte Bella Rose stehen nebeneinander im Stall. Gibt es Eifersucht?
Werth: Je erfolgreicher die Pferde sind, desto eifersüchtiger werden sie. Man merkt es daran, dass die Macken zunehmen. Sie kratzen mit den Hufen, wollen als Erster Futter, die meiste Aufmerksamkeit. Die Pferde unterhalten sich, wiehern sich hinterher, giften sich an, machen sich gegenseitig keinen Platz mehr.
SPIEGEL: Reden Sie mit ihnen darüber?
Werth: Natürlich, es ist wichtig, die Eigenarten der Pferde zu pflegen und sich entfalten zu lassen.
SPIEGEL: Lebt Satchmo noch, mit dem Sie 2008 Olympiagold holten?
Werth: Mit seinen 23 Jahren genießt er seine Rente. Er war immer schwierig zu reiten. Ein geniales Pferd, aber auch eine Wundertüte. Wir sind Tag für Tag mehr zusammengewachsen, haben eine enge Beziehung zueinander. Unsere Partnerschaft ist schon sehr vermenschlicht. Wir sind fast 20 Jahre zusammen, so lange halten viele Ehen nicht.
Von Ulu

DER SPIEGEL 36/2017
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