02.09.2017

BriefeTief getroffen

Nr. 35/201740 Jahre Deutscher Herbst – „Es ist scheiße, ein Mörder zu sein“. Der einstige RAF-Mann Peter-Jürgen Boock über Terror damals und heute
"Es war scheiße für das wehrlose Opfer, gnadenlos und heimtückisch umgebracht zu werden, und es ist immer noch scheiße für die bedauernswerten Angehörigen."
Rudolf Webinger, Aalen
Gewalt, von wem und warum auch immer, führt immer wieder zu Gegengewalt, damals wie heute. Aber dies sehen religiöse wie politische Fanatiker jeglicher Couleur anders. Und damit müssen wir leider leben und versuchen, wie auch immer damit fertigzuwerden. Eine Problematik, die auch unseren Kindern und Enkeln noch zu schaffen machen wird.
Detlef von Seggern, Pforzheim
Es ist schon empörend und ein Hohn gegenüber den Opfern und deren Angehörigen, einem Mörder eine derartige Bühne zu geben. Einem Mörder, der nicht im Geringsten erkennen lässt, wie er seine Schuld wiedergutzumachen gedenkt, und der sich lieber in Selbstmitleid ergeht.
Dr. Michael Graw, Lübeck
Herr Boock sollte einfach nur schweigen, die Tatbeschreibungen interessieren niemanden mehr. Für Schleyer, Buback, Ponto, Rohwedder, Herrhausen, die vielen jungen Polizisten und Fahrer würde ich gern antworten: Es ist scheiße, vor 40 Jahren gestorben zu sein.
Rüdiger Kreusch-Brinker, Melle (Nieders.)
"Die Bundesregierung erließ fragwürdige Antiterrorgesetze"? Im Zusammenhang mit dem Schleyer-Attentat haben weder die damalige Bundesregierung noch wir in den Beschlusslagen entgegen manchen Wünschen die Verfassung auch nur ein einziges Mal angetastet. Das sogenannte Kontaktsperre-Gesetz, das Sie möglicherweise meinen, wurde vom Bundestag beschlossen, nachdem der nordrhein-westfälische Justizminister Diether Posser für unsere Landesregierung eine gesetzliche Regelung gefordert hatte. Die war notwendig geworden, um die Gefangenen, die freigepresst werden sollten, daran zu hindern, durch illegale Kassiber ein gemeinsames Ausreisezielland zu verabreden. Das hätte die Verhandlungsmöglichkeiten der Bundesregierung zum Nachteil der Rettung Schleyers dramatisch verkürzt. Es ist bemerkenswert, dass die RAF angesichts der zahlreichen von ihr schon begangenen Morde eine Verhandlungsmöglichkeit mit der Bundesregierung politisch für möglich hielt.
Dr. Burkhard Hirsch, Düsseldorf, Bundestagsvizepräsident a. D., 1975 bis 1980 Innenminister von Nordrhein-Westfalen
Als Rettungssanitäter war ich vor Ort, als Alfred Herrhausen ermordet worden war. Gerade arbeite ich diese traumatischen Erlebnisse auf. Für die Eskalation von Gewalt jeglicher Art gibt es keine Entschuldigung.
Torsten Hein-Zinn, Biebesheim am Rhein (Hessen)
Das "Gespräch" mit Herrn Boock hat mich tief getroffen. Sie führen ein Interview mit einem Mörder, der geradezu technokratisch die Morde an Schleyer et cetera beschreibt. Das unglaubliche Leid, das er und seine Gesinnungsgenossen verschuldet haben, wird kaum thematisiert.
Gerold Korte, Nordhorn

DER SPIEGEL 36/2017
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