16.09.2017

Air BerlinFinanzpuffer für Besserverdiener

Um Piloten und Manager trotz Insolvenz bei Laune zu halten, erhalten sie einen Aufschlag.
Beim Bodenpersonal der insolventen Fluglinie Air Berlin, das von allen Mitarbeitern die schlechtesten Beschäftigungsperspektiven hat, wächst der Unmut über die hauseigenen Piloten und das Management. Die Flugzeugführer hatten sich Anfang der Woche zu Dutzenden krankgemeldet, für chaotische Zustände an den Flughäfen gesorgt und damit die Verkaufsbemühungen der Firmenleitung gefährdet. Dabei sind die Cockpitkräfte ohnehin privilegiert. Ähnlich wie die übrigen Mitarbeiter beziehen sie seit Beginn des Verfahrens Mitte August drei Monate lang Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit (BA). Weil das jedoch auf maximal 6350 Euro brutto pro Monat gedeckelt ist, beschloss der Gläubigerausschuss, dem auch ein BA-Vertreter angehört, gleich in seiner ersten Sitzung am 23. August, den Betrag für die Piloten bis zu ihrem regulären Gehalt aufzustocken. In Einzelfällen kann das mehr als 10 000 Euro pro Monat ausmachen. Auch das Management bekommt sein angestammtes Salär weiter. Das sei üblich, versichert der Air-Berlin-Generalbevollmächtigte Frank Kebekus, man habe verhindern wollen, dass diese Mitarbeiter zu Wettbewerbern abwandern. Außerdem handle es sich nur um einen "erklecklichen siebenstelligen Betrag". Aus dem Umfeld des Gläubigerausschusses heißt es dagegen, pro Monat würden rund zehn Millionen Euro fällig – zulasten der Masse und des von der Bundesregierung gewährten Rettungskredits in Höhe von 150 Millionen Euro. Auch sei eine Gehaltsaufstockung für Besserverdiener in einem Insolvenzfall keineswegs selbstverständlich, zumal, wenn der Staat einspringt. Bei einem ähnlichen Verfahren, der Pleite des katholischen Weltbild-Verlags 2014, hatte der Betriebsrat heftig kritisiert, dass die Führungskräfte finanziell abgefedert wurden. Gerade sie, argumentierten Arbeitnehmervertreter, hätten zu der Schieflage maßgeblich beigetragen und sollten deshalb Solidaropfer bringen.
Von Did

DER SPIEGEL 38/2017
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