16.09.2017

BriefeEin Sieg der Demokratie

Nr. 37/2017 Alles wird Wut! Die Berliner Ruhe trügt – in Deutschland brodelt es
"Ich würde gern das Geschmiere von der Titelseite entfernen und den Satz ,Alles wird gut!' stehen lassen. Doch leider befürchte ich Schlimmeres."
Rainer Ludwig, Leipzig
Die beharrlich hohen Umfragewerte der AfD, mit eher steigender Tendenz, erfordern nicht nur ein Umdenken, sondern womöglich ganz andere Strategien im Umgang mit dieser dann demokratisch gewählten Partei. Nicht auszuschließen, dass in naher Zukunft mehr als 60 Abgeordnete der AfD den Bundestag bevölkern werden. Wie soll man die komplett ausgrenzen, zumal, wie Sie schreiben, "die Politiker feststellen werden, dass die AfD-Welt nicht nur schwarz und weiß ist"? Eine Demokratie wird damit fertig. Seien Sie unbesorgt!
Dr. Christian Clausen, Wuppertal
Politiker – und Medien – haben zu dieser Wut der Bürgerinnen und Bürger reichlich beigetragen. Die Leute hatten plötzlich das Gefühl, ihre lieb gewonnene Heimat samt Traditionen zu verlieren. Da fing es an zu brodeln. Die Flüchtlingskrise und Merkels Weigerung, die Grenzen zu schließen, gaben dann den Rest. Die große Ablehnung der Menschen gegenüber einer Politik und Medien, die sich nicht um ihre eigene Kultur scheren, war daher abzusehen.
Brigitte Wolfsteiner, Merkenbach (Hessen)
Man könnte auch sagen: "Was lange gärt, wird Wut." Was Kim Jong Un auf globaler Ebene verkörpert, sind in Deutschland diejenigen, die sich ausgeschlossen und unverstanden fühlen. Es geht im Wesentlichen um Gerechtigkeit, Alt gegen Jung, Arm gegen Reich, Deutsche gegen Multikulti oder auch Widerstand gegen Elite. Nach der Wahl wird diese Gruppe eine Stimme im deutschen Bundestag haben. Das stellt auch einen Sieg der Demokratie dar, selbst wenn es vielen nicht gefällt. Nach vier Jahren wird Bilanz gezogen.
Rainer Szymanski, Grünheide (Brandenb.)
Die ewiggestrigen Schreihälse sollten sich einmal die Folgen vergegenwärtigen, die ihre Forderung "Ausländer raus" hätte, wenn sie in die Tat umgesetzt würde. 700 Milliarden Euro ausländisches Kapital sichern 2,6 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland. Und die Bevölkerungspyramide spricht eine deutliche Sprache: Deutschland braucht Zuwanderung, sonst bricht unser Renten- und Sozialsystem zusammen.
Helmut Christen, Gladbeck
Kaum erstaunlich, dass eine Bevölkerung einen Zuwachs von rund einer Million Migranten – das entspricht einer Größenordnung von etwa zweimal Nürnberg – nicht ohne Weiteres hinnehmen will. Diesen Standpunkt als fremdenfeindlich zu bezeichnen und die so denkenden Menschen als rassistisch abzutun, empfinde ich als diskriminierend.
Margarete Hürzeler, Stein (Bayern)
Wie Jan Fleischhauer vor einiger Zeit in seiner Kolumne schrieb: Im Bundestag sitzen zurzeit vier mehr oder weniger linke Parteien, weil Merkels CDU ja unbestritten SPD-Politik betreibt. Da kann es doch nicht so schlimm sein, wenn neben all den linken Parteien eine rechte in den Bundestag einzieht – auch wenn Ihnen der Tonfall im dann neu entfachten demokratischen Diskurs nicht gefallen wird.
Christian Busch, Seulingen (Nieders.)
Die Erlebnisse von Dialika Neufeld und der interviewten Migranten machen betroffen und sind beschämend. Im Deutschland des Jahres 2017 herrscht eine deutschnationale Stimmung, und es blüht der Rassismus – auch weil der Rechtsextremismus verharmlost wird. Aufgabe der politischen Entscheidungsträger muss es aber sein, das zivilgesellschaftliche Engagement, das es auch in der mit dem Pegida-Makel behafteten Stadt Dresden gibt, viel stärker zu unterstützen.
Andreas Meißner, Dresden
Nicht aus verschworenen Quellen lancierte Fake News und nicht die gefälschten Wahlposter treiben den Rechten die Unentschlossenen zu, sondern die Verlockung, in der Wahlkabine den anonymen Troll zu spielen, der es den Von-oben-herab-Belehrern aus Politik, Presse und Fernsehen mal so richtig zeigt.
Ernst Horn, München

DER SPIEGEL 38/2017
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