23.09.2017

ZeitgeschichteSpäte Rache

Auf der Abschussliste des israelischen Geheimdienstes Mossad standen bis in die Achtzigerjahre Holocaust-Täter, die pikanterweise zugleich einstige Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) gewesen waren. Konkret ging es um Klaus Barbie (Ex-Gestapo-Chef von Lyon), Walther Rauff (Erfinder des Gaswagens) und Franz Rademacher (einst "Judenreferent" des Auswärtigen Amtes). Die drei Mörder waren in den Sechzigerjahren V-Leute des BND. Ihre Namen finden sich auf kürzlich vom Mossad freigegebenen Listen mit gut einem Dutzend NS-Verbrechern, deren Tötung oder Entführung der Geheimdienst zwischen 1963 und 1991 plante. Allerdings wusste der Mossad offenbar nichts von den BND-Verbindungen der drei Deutschen. Auch recherchierten die Israelis schlecht: Rademacher war bereits tot, als er 1977 auf die Liste kam. Bei Rauff und Barbie verhinderten hingegen die Umstände einen Erfolg: 1980 scheiterte ein Attentat auf Rauff, der in Chile lebte, weil er das Haus nicht verließ und schließlich eine Bekannte das Killerteam bemerkte. Er starb 1984 in Freiheit. Barbie wurde 1983 in Bolivien verhaftet, kurz bevor der Mossad losschlagen wollte. Er wurde nach Frankreich ausgeliefert und starb 1991 im Gefängnis in Lyon. Insgesamt tötete der Mossad den Dokumenten zufolge einen einzigen NS-Verbrecher: 1965 erschossen Agenten den Letten Herberts Cukurs, bekannt als "Schlächter von Riga", in Uruguay.
Von Klw

DER SPIEGEL 39/2017
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