23.09.2017

InsiderhandelBaFin erhöht Druck auf Kengeter

Die Finanzaufsicht BaFin ist offenbar verärgert über die Frankfurter Staatsanwaltschaft. Die Behörde halte das Angebot der Strafverfolger für nicht sachgerecht, das Verfahren gegen Börsenchef Carsten Kengeter wegen des Verdachts auf Insiderhandel gegen Zahlung von 500 000 Euro einzustellen, heißt es in Frankfurter Finanzkreisen. Kengeter hatte im Dezember 2015 im Rahmen eines Bonusprogramms in großem Stil Aktien der Deutschen Börse gekauft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe zu diesem Zeitpunkt weit fortgeschrittene Fusionsgespräche mit der Londoner Börse geführt, von denen die Öffentlichkeit nichts wusste. Obwohl die Ermittler Kengeter Vorsatz unterstellen, haben sie ihm und der Börse einen Deal angeboten. Beide willigten ein, ohne Schuld anzuerkennen. Das Unternehmen soll 10,5 Millionen Euro zahlen. Eine Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen ist rechtlich möglich, wenn die Schwere der Schuld dem nicht entgegensteht und die Auflagen geeignet sind, das öffentliche Interesse an einer Strafverfolgung auszuräumen. Die BaFin sieht eine solche Lösung im Fall Deutsche Börse aber offenbar im Widerspruch zu schärferen Regelungen gegen Marktmanipulation und Insiderhandel, die seit vergangenem Jahr in der EU gelten. Die Akte Deutsche Börse liegt nun zur Entscheidung beim Amtsgericht Frankfurt, das auch eine Stellungnahme der BaFin berücksichtigen wird. Anschließend prüfen die hessische Börsenaufsicht und die BaFin die Zuverlässigkeit Kengeters und entscheiden über eine mögliche Abberufung. Beide Aufsichtsbehörden äußerten sich nicht zu dem Verfahren. Insider erwarten, dass sich die Prüfung bis Dezember hinziehen könnte.
Von Mhs

DER SPIEGEL 39/2017
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