21.10.2017

ChinaBeton und Gehorsam

Der 19. Kongress von Chinas Kommunistischer Partei ist reich an Pomp und Ritualen. Eine Personalie ist bei aller Huldigung von Parteichef Xi Jinping allerdings interessant: der Aufstieg seines Vertrauten Chen Min'er. Könnte er der Mann sein, den Xi langfristig für seine Nachfolge in Stellung bringt? Und was würde das für Chinas Zukunft bedeuten? Chen, 57, stammt aus der reichen Küstenprovinz Zhejiang, wo er dem heutigen Präsidenten einst als Propagandachef diente. 2012 schickte ihn Xi nach Guizhou, eine der ärmsten Regionen, wo Chen in fast fünf Jahren gut 2500 Kilometer Autobahnen, zwei der höchsten Brücken und das größte Radioteleskop der Welt errichten ließ. Im Juli machte Xi ihn zum Parteichef der Megastadt Chongqing, womit Chen ins Politbüro aufrückt, womöglich sogar in dessen "Ständigen Ausschuss", das sieben Mitglieder zählende, mächtigste Gremium der Volksrepublik. Chens selbst für Insider überraschend schneller Aufstieg deutet an, welche Eigenschaften in Xis China an die Spitze führen: Bauwut und unbedingte Loyalität. Das bäuerliche Guizhou hat heute mehr Autobahnkilometer als Großbritannien, und aus dem Munde des Gesalbten ist kein kritisches Wort über Xi überliefert, aber viele von dessen goldenen Sentenzen: "Die Macht muss in den Käfig der Institutionen eingesperrt werden", zitierte Chen 2015 seinen Mentor. Dass Xi sich selbst an diese Regel hielte, kann man nicht sagen.
Von Bza

DER SPIEGEL 43/2017
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