21.10.2017

Magische Momente„Bei Kilometer 50 war die Herrlichkeit vorbei“

„Tagesschau“-Sprecher Thorsten Schröder, 49, über seinen Kampf beim Ironman auf Hawaii
SPIEGEL: Hawaii-Finisher 2017 – wie hört sich das an?
Schröder: Großartig. Als ich vor sechs Jahren mit dem Training für meinen ersten Ironman begann, hielt ich dieses Ziel für utopisch.
SPIEGEL: Wie haben Sie sich vorbereitet?
Schröder: Ich entwickelte einen Zwei-Jahres-Masterplan. Die entscheidende Phase: 52 Wochen intensives Training, sechs Tage die Woche.
SPIEGEL: Welche Schwerpunkte setzten Sie?
Schröder: Ich kräftigte meine Rumpfmuskulatur intensiv, damit ich nicht wie der schiefe Turm von Pisa durch das Ziel laufe. Zudem: keine Chips und Schokolade, Alkohol nur an Weihnachten und Karneval.
SPIEGEL: In Frankfurt verpassten Sie Anfang Juli die Qualifikation für Hawaii knapp.
Schröder: Fünf Wochen später versuchte ich es in Hamburg erneut, um auch dort zunächst zu scheitern. Mir fehlten 26 Sekunden zu einem sicheren Startplatz.
SPIEGEL: Doch einer der vor Ihnen Platzierten verzichtete auf sein Hawaii-Ticket, Sie rückten nach.
Schröder: Ein herrliches Drehbuch, besser geht es nicht.
SPIEGEL: Dort ging es los mit dem Schwimmen im Pazifik.
Schröder: Ich mag kein Salzwasser, nach einer Stunde hatte ich buchstäblich die Nase voll.
SPIEGEL: Nach 1.13:36 Stunden wechselten Sie auf die Straße. 180 Kilometer Radfahren.
Schröder: Ich fuhr mit 36er-Schnitt, hatte kaum Wind. Bei Kilometer 50 war es dann vorbei mit der Herrlichkeit.
SPIEGEL: Die tückischen Mumuku-Winde meldeten sich.
Schröder: Und zwar kräftig. Ich kam ins Schlingern, wurde fast umgeweht.
SPIEGEL: Zuletzt der Marathon.
Schröder: Der Lauf war hammerhart. Nach fünf Kilometern hätte er gern zu Ende sein können. Die Sonne grillt dich, es gibt keinen Schatten. Ich hangelte mich von einer Verpflegungsstation zur nächsten, übergoss mich mit Eiswasser.
SPIEGEL: Ihre Endzeit: 10.56:12.
Schröder: Lustig, dass ich nun als Sportler Schlagzeilen mache. Als Kind wollte ich Profifußballer werden.
SPIEGEL: Warum hat es nicht gereicht?
Schröder: Ich erkrankte an der Wirbelsäule. Mit 15 Jahren wurde ich operiert, trug zwölf Monate lang ein Korsett, machte jahrelang keinen Sport.
Von Tne

DER SPIEGEL 43/2017
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