28.10.2017

Magische Momente„Zum ersten Mal an Gott geglaubt“

Trainer Eberhard Vogel , 74, über den Sieg im Pokalspiel des Viertligisten 1. FC Magdeburg gegen Bayern München
SPIEGEL: Vor 17 Jahren gelang Ihnen mit dem 1. FC Magdeburg eine Sensation. In der zweiten Runde des DFB-Pokals schoss Ihre Oberligamannschaft Titelverteidiger Bayern München aus dem Wettbewerb. Wie war das möglich?
Vogel: Wir hatten die richtige Mischung aus erfahrenen und schnellen Spielern, verfügten über Selbstbewusstsein und einen super Torwart.
SPIEGEL: Das reichte?
Vogel: Wir schlugen zuvor den 1. FC Köln, danach Karlsruhe und scheiterten erst im Viertelfinale am späteren Pokalsieger Schalke. Wenn man an sich glaubt, topfit ist und sich nicht nur stumpf hinten reinstellt, kann man es weit bringen.
SPIEGEL: Gegen die Bayern siegten Sie 4:2 nach Elfmeterschießen.
Vogel: Wir führten 1:0 durch Ofodile. Leider gelang Salihamidzic der Ausgleich. In der Verlängerung hofften die Bayern dann vergeblich darauf, dass uns die Kräfte ausgehen.
SPIEGEL: Wie lief das mit den Elfmetern? Im Bayern-Tor stand schließlich Oliver Kahn.
Vogel: Das muss man ausblenden. Wer sich vorher von großen Namen verrückt machen lässt, ist schon auf dem falschen Pfad. Als ich als Nationalspieler der DDR gegen die Besten der Welt gespielt habe, durfte ich mir auch nicht in die Hose machen.
SPIEGEL: Waren Sie auf ein Elfmeterschießen vorbereitet?
Vogel: Ja. Ich sagte den Spielern, sie sollten sich eine Ecke vornehmen und nicht lange hin und her überlegen. Dann haben sie die Dinger reingehauen.
SPIEGEL: Ihr Torwart Miroslaw Dreszer parierte gegen Jeremies und Elber.
Vogel: Dreszer war ein super Torwart – nicht nur in dieser Situation.
SPIEGEL: Erinnern Sie sich noch an den Moment, in dem Dirk Hannemann den letzten Elfmeter ins Tor drosch?
Vogel: Natürlich. Alle rannten zu ihm und Dreszer und begruben beide unter sich. Ich faltete die Hände, blickte nach oben und habe zum ersten Mal an den lieben Gott geglaubt. Nach dem ersten Jubel sind wir alle kurz in die Kabine und haben ein Bier aufgemacht. Dann feierten wir mit unseren überragenden Fans weiter.
SPIEGEL: Fußball ist im Osten nur wenig erfolgreich. Was halten Sie vom Projekt RB Leipzig?
Vogel: Was Ralf Rangnick dort mit seinem Team aufgebaut hat, finde ich sensationell. Die Ablehnung, die der Mannschaft teilweise entgegenschlägt, kann ich nicht verstehen. Ohne Geld läuft im Fußball nichts – egal wie die Sponsoren heißen.
Von Pk

DER SPIEGEL 44/2017
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