28.10.2017

Klassik

Was für ein Gesangsdebüt: Der junge Schweizer Bariton Äneas Humm verbindet in Awakening Fülle mit Wohllaut und psychologischem Tiefgang. Rondeau.
● Kenner flüstern sich den Namen schon seit einer Weile zu. Nun gibt es endlich auch eine CD des jungen Baritons, der seit Kurzem auf Opern- und Konzertbühnen das Publikum begeistert: Äneas Humm, erst 21 Jahre alt, stellt sich darauf mit Liedern des jungen Alban Berg und des jungen Hugo Wolf, von Richard Strauss und Viktor Ullmann vor. Die Auswahl ist ungewöhnlich: Liebeslyrik und sehnsüchtige Elegien, die schon atemtechnisch recht anspruchsvoll sind, aber auch gestalterisch eine Menge Feinarbeit verlangen. Humm, begleitet von Judit Polgar, geht die Aufgabe mit souveräner Klarheit an: Mal prachtvoll sonor, dann wieder in zartes Piano gleitend, lässt er Endnoten magisch verklingen, nimmt das Pathos eher zurück und baut auf natürliche Artikulation. Klar, dass Richard Strauss am Ende als gewieftester Klangregisseur dasteht – aber gegen seine Virtuosität treten das frühe, mitunter bemühte Kunstwollen Bergs und Wolfs umso stärker hervor; Ullmanns Hafis-Lieder von 1940 schwelgen dagegen in deklamatorischem Übermut. So dokumentiert das "Erwachen" des Albumtitels nicht nur Humms eigenen bravourösen Start, sondern ebenso den Stimmungswandel in der spätromantischen Epoche.

▼ Weitere Klassikalben


J. S. Bach: Goldberg-Variationen. Gegen die kaum noch überschaubare Konkurrenz gelingt dem Pianisten Jean Muller eine verblüffend beschwingte, farbenfrohe Deutung. Hänssler Classic.

Sergey Malov: Hommage à Ysaÿe. Liebevoll bis ins Booklet-Detail würdigt der russische Geiger Sergey Malov sein großes belgisches Vorbild. SoloMusica.

Ludwig van Beethoven: Streichquartette. An op. 59,3 und op. 131 beweist das Aris-Quartett Weltklasse, vor allem in Sensibilität. Genuin Classics.

Une Révélation – Violinkonzerte von Hans Huber und Paul Juon. Maria Solozobova und das Collegium Musicum Basel heben vergessene Schätze. Sony Classical.

Mady Mesplé – A Portrait. Ausdrucksstark strahlend in schwindelnder Höhe, stilsicher von der Mittellage bis in die Tiefen: Eine Sopranstimme wie die der Mesplé ((*)1931) fehlt heute. Erato.

▼ Festivals und Premieren


BERLIN

Giacomo Meyerbeer: Le Prophète. Olivier Py inszeniert das opulente Drama um den Wiedertäuferstaat von Münster. Deutsche Oper, Premiere 26.11.

FEUCHTWANGEN

Paul Hindemith: Das Marienleben. Sopran-Star Christiane Karg singt funkelnde Rilke-Texte. Kirche St. Ulrich und Afra, 1.11.

FRANKFURT/MAIN

Arnulf Herrmann: Der Mieter. Wohn-Horror bis zum Identitätsverlust – und zum Selbstmord. Oper, Uraufführung 12.11.

HERNE

Tage der Alten Musik. Diesmal geht es um klangstarke Rebellen, Reformer und Revolutionäre. Oper, 9.–12.11.

LUZERN

Lucerne Piano Festival. Im Reigen jüngerer Könner zählt Evgeny Kissin schon eher zu den Altgedienten. Am Schluss tritt auch Piotr Anderszewski auf. 18.–26.11.
Von Johannes Saltzwedel

DER SPIEGEL 44/2017
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