28.10.2017

Kino

Fatih Akins Drama Aus dem Nichts erzählt von den Folgen eines rechten Terroranschlags. Start: 23. November.
● Mit leeren Blicken sitzt das junge Pärchen auf der Anklagebank. Die beiden Neonazis sollen in Hamburg einen Bombenanschlag begangen haben, bei dem ein türkischstämmiger Mann und sein sechsjähriger Sohn getötet wurden. Katja, die Ehefrau des Toten und Mutter des Kindes, verfolgt den Prozess als Nebenklägerin und ringt immer wieder um Fassung. Einmal dreht sie durch und will auf die Angeklagten einschlagen. Fatih Akin zeigt in seinem Filmdrama "Aus dem Nichts" die Versuche des Rechtsstaates, ein terroristisches Verbrechen aufzuklären und die Schuldigen zu bestrafen. Doch vor allem geht es ihm um die Opfer, ihre Trauer und ihre Wut. Er erzählt vom Ringen um Gerechtigkeit und von dem Wunsch nach Rache. Mit seiner großartigen Hauptdarstellerin Diane Kruger, die für ihre Leistung in diesem Film beim Festival von Cannes einen Preis gewann, zieht er den Zuschauer in einen Strudel der Gefühle hinein, aus dem es irgendwann kein Entrinnen mehr zu geben scheint. Beeinflusst von den Ermittlungspannen der Polizei bei der Aufklärung der NSU-Morde und dem Prozess gegen die Tatverdächtige Beate Zschäpe, hat Akin einen so nüchternen wie fiebrigen Film gedreht. Wenn eine Sachverständige die Leichen der zerfetzten Opfer so präzise wie möglich beschreibt, ist für Katja jeder dieser Sätze wie ein Splitter, der sie selber trifft. Die Explosion liegt schon viele Monate zurück, doch Katja hockt noch immer in den Trümmern ihres Lebens. Die Schauspielerin Kruger gibt ihrer Figur eine ganz eigene Mischung aus Fragilität und Härte, aus Verzweiflung und Entschlossenheit. Nach diesem Film versteht man besser, wozu das Gefühl, alles verloren zu haben, einen Menschen treiben kann.

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Von Lars-Olav Beier

DER SPIEGEL 44/2017
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