04.11.2017

Geografie„Neue Fanggründe tun sich auf“

Wer hat Anspruch auf die Fische und Rohstoffe der Arktis? Die Bonner Völkerrechtlerin Kristina Schönfeldt, 30, erklärt in ihrem neuen Buch die schwierige Rechtslage im ewigen Eis.
SPIEGEL: Wem gehört die Arktis?
Schönfeldt: Die Nordpolregion ist kein eigener Kontinent, sondern ein von Landflächen umringter Ozean. Deshalb regelt das internationale Seerecht, wer Anspruch darauf hat. Das sind jene Staaten mit Küsten zum Arktischen Ozean, also Russland, Kanada, Norwegen, die USA und Dänemark für Grönland.
Außerdem ragen die Staatsgebiete von Island, Finnland und Schweden in den nördlichen Polarkreis hinein.
SPIEGEL: Und all diese Länder teilen dann Eisberge unter sich auf?
Schönfeldt: Nein, sie verfolgen große wirtschaftliche Interessen – weil die Erwärmung des Arktischen Ozeans und das Abschmelzen des Eises eine intensivere Nutzung möglich machen. Neue Fanggründe tun sich auf, außerdem schlummern dort womöglich große Mengen fossiler Brennstoffe, Erze und seltene Erden. Es eröffnen sich auch neue Seewege: Die Passage zwischen Hamburg und Tokio zum Beispiel könnte sich so von 21 000 auf 13 000 Kilometer verkürzen.
SPIEGEL: Sind die Gebietsansprüche in der Arktis umstritten?
Schönfeldt: Zum Teil schon. Klar ist, dass den Anrainerstaaten jeweils ein Küstenmeer von zwölf Seemeilen zusteht, daran anschließend die ausschließliche Wirtschaftszone von 200 Seemeilen. Jeder Küstenstaat kann außerdem einen Festlandssockel – das ist der überwiegend unterhalb der jeweiligen Wirtschaftszone liegende Meeresboden – von bis zu 200 Seemeilen für sich beanspruchen. Unter bestimmten geologischen Voraussetzungen kann der Sockel sogar bis auf 350 Seemeilen erweitert werden. Ein Staat darf die natürlichen Ressourcen seines Sockels ausbeuten – deshalb ist eine Verschiebung der Außengrenzen für alle interessant. Und hier überlappen sich die Ansprüche einiger Arktisstaaten.
SPIEGEL: Wer von den Ressourcen der Arktis profitiert, sollte sie auch schützen ...
Schönfeldt: Gewiss. Es gibt zum Beispiel einen völkerrechtlichen Vertrag zum Schutz der Eisbären. Und Barack Obama hat in seiner Amtszeit als US-Präsident ein Gebiet für Ölbohrungen gesperrt. Diese Entscheidung hat sein Nachfolger Donald Trump leider teilweise wieder aufgehoben.
Kristina Schönfeldt: "The Arctic in International Law and Policy". Hart Publishing. 84,49 Euro; 1680 Seiten.
Von Kk

DER SPIEGEL 45/2017
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