11.11.2017

Magische Momente„Die waren total stinkig“

Die ehemalige Tennisspielerin 53, über den Triumph im Federation Cup vor 30 Jahren
SPIEGEL: Sie gewannen 1987 an der Seite von Steffi Graf erstmals für Deutschland den Federation Cup. Die Entscheidung im Spiel gegen die USA fiel in einem Doppel, in dem es lange nicht gut für Sie aussah.
Kohde-Kilsch: Wir lagen schnell 1:6 und 0:4 hinten. Pam Shriver und Chris Evert gelang alles – uns gelang nichts. Wir wollten uns aber auch nicht kampflos abschießen lassen und erinnerten uns an ein Match von Jimmy Connors.
SPIEGEL: Helfen Sie uns auf die Sprünge.
Kohde-Kilsch: Connors hatte 1987 in Wimbledon ein Spiel gedreht, in dem er völlig aussichtslos hinten lag.
SPIEGEL: Und dann?
Kohde-Kilsch: Wir holten auf, und auch Steffi, die wahrlich keine Volleyspezialistin war, traf am Netz plötzlich alles. Als wir den 2. Satz 7:5 gewonnen hatten, wurden die Amerikanerinnen spürbar nervös.
SPIEGEL: Sie entschieden den dritten Satz mit 6:4 für sich. Die Sensation war perfekt.
Kohde-Kilsch: Steffi und ich waren keine engen Freundinnen, aber in diesem Augenblick fielen wir uns in die Arme. Selbst unsere verfeindeten Väter, Gott hab sie selig, umarmten sich kurz. Der Erfolg überstrahlte alles.
SPIEGEL: Wie reagierten Ihre Gegnerinnen?
Kohde-Kilsch: Die waren total stinkig und sagten gar nichts. Im August dieses Jahres habe ich auf Facebook gepostet, dass der Sieg von Vancouver einer der schönsten meiner Karriere war. Pam Shriver hat den Post prompt kommentiert. Sie schrieb, dass sie die Niederlage bis heute nicht verdaut hat.
SPIEGEL: Haben Sie in Vancouver gefeiert?
Kohde-Kilsch: Wir waren bei einem Millionär, den unser Teamchef Klaus Hofsäss kannte. Dabei gab es einen Schockmoment, als der Siegerpokal plötzlich auf den Boden krachte. Ich weiß noch, dass unser Mannschaftsarzt verzweifelt versuchte, eine Delle auszubeulen.
SPIEGEL: Angeblich hat Ihnen Steffi Graf nach dem Sieg ein besonderes T-Shirt geschenkt.
Kohde-Kilsch: Stimmt. Ich war damals großer Fan von Bryan Adams, und sie war vorher backstage bei einem Konzert von ihm gewesen. Ich glaube, es war sogar ein Autogramm darauf.
SPIEGEL: Welchen Stellenwert hat der Sieg in Ihrer Karriere?
Kohde-Kilsch: Dieser Weltmeistertitel steht auf einer Stufe mit meinem Wimbledon-Sieg im Doppel gemeinsam mit Helena Suková und der Bronzemedaille mit Steffi bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul.
Von Pk

DER SPIEGEL 46/2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 46/2017
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Magische Momente:
„Die waren total stinkig“

  • Videoreportage zu seltenen Krankheiten: "Du denkst, das Kind stirbt"
  • Dugongbaby Marium: Thailändische Seekuh stirbt mit Plastik im Bauch
  • Drohkulisse in Shenzhen: Was bedeuten die Militärfahrzeuge an der Grenze zu Hongkong?
  • Trumps Interesse an Grönland: US-Präsident erntet Spott