18.11.2017

KommentarUnter Gleichgesinnten

Die Asienreise von Donald Trump war ein voller Erfolg – für Autokraten.
Donald Trumps zwölftägige Tour durch Asien war eine Pilgerfahrt zu Antidemokraten. Sie weckt damit Erinnerungen an seine Nahostreise im Mai, von der vor allem Bilder übrig blieben, wie Trump mit den saudi-arabischen Herrschern einen Schwerttanz aufführte. In Asien traf der US-Präsident nun Männer wie Xi Jinping und Wladimir Putin, die dieselbe Verachtung für Kritik, eine unabhängige Justiz und eine freie Presse teilen wie er. In Peking beugte er sich dem Wunsch des chinesischen Staatschefs, auf Fragen der Presse zu verzichten.
In Vietnam, am Rande eines Wirtschaftsgipfels, schien er zunächst dem russischen Präsidenten mehr Glauben zu schenken als seinen Geheimdiensten. Auf den Philippinen lobte Trump Präsident Rodrigo Duterte – und durfte diesem zuhören, wie er ein Liebeslied sang mit der schönen Zeile "Du bist das Licht in meiner Welt". Wenn sich Trump ein Land malen dürfte, wäre es eine Collage aus Impressionen dieser Reise.
Die bombastischen Worte der Bewunderung für seine Gastgeber zeigen, wie klein die USA in diesem Teil der Welt geworden sind. "America First", das bedeutet inzwischen so viel wie: Amerika steht allein da. Das pazifische Freihandelsabkommen TPP führen die Teilnehmerstaaten einfach ohne die USA weiter. Doch Macht, das bedeutete für Washington auch immer, andere zur Einhaltung der eigenen Werte zu bewegen, vor allem, was Demokratie und Menschenrechte angeht. Trump aber hat sein Land in eine Isolation geführt, die er mit Machtzuwachs verwechselt.
Die US-Außenpolitik erschöpft sich derzeit in Gesten der Anbiederung, wo Trump Mächtigen gegenübersteht, und in Gleichgültigkeit, wo er Unwichtigere trifft. Es ist nicht das Auftreten einer Supermacht, sondern einer Nation, die sich nach innen wendet, weg vom Rest der Welt.
Von Christoph Scheuermann

DER SPIEGEL 47/2017
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