18.11.2017

Magische Momente„Wow!! Das wird heftig“

Der Extremsurfer Sebastian Steudtner, 32, über einen Rekord-Ritt auf einer Atlantikwelle
SPIEGEL: Am 11. Dezember 2014 gelang Ihnen ein spektakulärer Ritt auf einer Riesenwelle im portugiesischen Big-Wave-Revier Nazaré. Sie wurden dafür mit einem Preis ausgezeichnet. Woher wussten Sie, dass an jenem Tag der Rekordbrecher heranrollt?
Steudtner: Wir hatten die Wetterkarten studiert und gesehen, dass eine besonders hohe Dünung auf Portugal zurollt. Auch aus Kalifornien, aus Hawaii, Brasilien, Frankreich und England waren Surfer angereist. Alle waren vor Sonnenaufgang auf den Beinen. Um zehn Uhr meldete mir unser Spotter, ein Mann, der oben auf den Klippen nach den höchsten Wellen Ausschau hält, dass die ersten großen Brecher eingetroffen waren. Das war der Startschuss.
SPIEGEL: Hatten Sie Angst?
Steudtner: Ich setze mich seit Jahren mit den Gefahren beim Surfen in hohen Wellen auseinander. Ich habe Sicherheitssysteme mitentwickelt, die helfen, schlimme Unfälle zu vermeiden. Ich bin keineswegs respektlos, ich weiß, dass die Welle mächtiger ist, dass ich nicht alles beherrschen kann. Aber wenn ich auf dem Wasser bin, dann denke ich nicht daran, was alles passieren könnte, dann geht es nur darum, die besten Wellen zu erwischen.
SPIEGEL: Wussten Sie, dass der Brecher, mit dem Sie später den Award gewannen, ein besonderes Exemplar war?
Steudtner: Wir wussten, dass da was Großes kommt. Als sich die Welle aufbäumte, dachte ich: Wow!! Das wird heftig. Der Jetski zog mich in die richtige Position vor der Welle, ich ließ die Leine los, fuhr den Wellenhang hinab. Aber schon nach wenigen Sekunden wollte ich abbrechen und wieder oben aus der Wand herausfahren.
SPIEGEL: Warum?
Steudtner: Mein Brett lief unruhig, es war kaum zu kontrollieren. Aber ich konnte nicht mehr aussteigen, ich war zu schnell, die Wasserwand war zu steil. Ich raste einfach irgendwie weiter geradeaus, wobei ich mehrfach fast gestürzt wäre.
SPIEGEL: Wie hoch war die Welle?
Steudtner: Nach der Auswertung des Foto- und Filmmaterials wurde sie mit 71 Fuß, fast 22 Meter, angegeben.
SPIEGEL: Ein sechsstöckiges Haus.
Steudtner: Der Witz ist, dass ich an dem Tag eine noch höhere erwischt hatte, aber die Aufnahmen waren nicht gut genug, sodass der Versuch nicht in die Wertung kam.
Von Gp

DER SPIEGEL 47/2017
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