18.11.2017

BriefeWie denn aufwachen?

Nr. 46/2017 Warum China schon jetzt Weltmacht Nr. 1 ist – ein Weckruf für den Westen
"Damit die Menschheit langfristig überleben kann, brauchen wir weder die alte Weltmacht USA noch die vermeintlich neue Weltmacht China, sondern eine Weltmacht namens globale Solidarität."
Raffaele Schacher, Rorschach (Schweiz)
Ich mache mich seit Jahren in Vorträgen und Aufsätzen darüber lustig, dass karrierebewusste Wissenschaftler Englisch für die einzig maßgebliche Wissenschaftssprache halten. Wenn sie weiterhin Wirtschaft und Politik hinterherlaufen wollen, hätten sie längst damit beginnen müssen, Mandarin zu lernen!
Prof. Dr. Peter Finke, Bielefeld
Die Bürger sind fleißig, die Staatsführung aber ist autoritär. Es gibt nur eine Partei, Gewaltenteilung ist ein Fremdwort. Wir nennen so etwas Unrechtsstaat. Wenn das Schule macht, dann gute Nacht, Welt! Hat der SPIEGEL das vergessen?
Hartmut Neumann, Aachen
Wir wissen, dass Big Data ohne Datenschutz zu Big Brother wird. In dem Roman 1984 nimmt George Orwell den Diktator Stalin als Vorlage für die Rolle des Big Brother. Dass sie sich in Kürze in dem Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas, Xi Jinping, dem neuen Führer der Weltmacht, realisieren wird, bedeutet, dass die Weltbevölkerung auf Dauer kaum eine Chance haben dürfte, sich einem solchen Regierungssystem zu widersetzen. Wahrlich ein erschreckender Weckruf.
Hans-Christian von Steinaecker, Kusel (Rhld.-Pf.)
China ist nicht als Konkurrent bedrohlich, sondern als Diktatur, deren Zusammenbruch irgendwann die Welt erschüttern wird.
Joachim Grüner, Frankfurt a. M.
Die Autoren sind offenbar vom Großstadtzeitgeist beeinflusst: Man macht alle flüchtigen Trends mit, zum Profit der Zeitgeistdesigner, die das als "Coolness" verkaufen. Sie haben versäumt darzustellen, dass das chinesische Volk vom über 2000 Jahre alten Konfuzianismus und Taoismus geprägt ist. Auch längere Phasen von Fremdherrschaft, Kolonialismus und Kommunismus konnten daran nichts ändern. Die chinesische Volksseele weiß, dass es immer ein Auf und Ab über lange Zeiträume hinweg gibt, von daher ist zum Beispiel Nachhaltigkeit ein unbedingtes Muss. Wohin führt denn die kurzfristige "Coolness"? Nur zur Verschwendung der endlichen Ressourcen und zu Chaos und Niedergang.
Manfred Schmidt, Iggelheim (Rhld.-Pf.)
Der wirtschaftliche, politische und wissenschaftliche Aufstieg Chinas sollte vor allem ein Weckruf an die Europäer sein: Wollt ihr hereinfallen auf Aussteiger (Brexit), Separatisten (Katalonien), Nationalisten (AfD, Front National), Subventionsgewinnler (Polen, Ungarn), Steuerfluchthelfer (Malta, Irland, Luxemburg), Spalter (Putin) und Partikularisten (Trump)? Und nach einem kurzen Hochgefühl in der Bedeutungslosigkeit und letztlich Fremdbestimmtheit verschwinden? Nur eine einige und auf den westlichen Werten gründende europäische Gemeinschaft kann eine Antwort auf die chinesische Herausforderung sein. Dazu müsste diese Gemeinschaft allerdings endlich bürgernäher, transparenter und gerechter für alle werden.
Dr. Rudolf Winkel, Bad Kreuznach (Rhld.-Pf.)
Historisch betrachtet war den chinesischen Kaisern China genug. Die Huldigungsgeschenke der Grenzvasallen waren meist weniger wert als die chinesischen Gegengeschenke. So wurde der Frieden an der Grenze erkauft. China mag den Weltmarkt erobern, die kulturelle und militärische Hegemonie über den Planeten strebt es aber nicht an. Mohammeds flammendes Schwert oder Lenins angestrebte Weltrevolution sind da ein ganz anderes Kaliber. Vieles spricht dafür, dass der Beitrag von Konfuzius' Erben positiv für die Menschheit ist.
Dr. Karsten Strey, Hamburg
Wie denn aufwachen? Mit sich selbst beschäftigte, von sich eingenommene und selbstzufriedene Bürger dieser Welt können keine Vision hervorzaubern und keine mittel- bis langfristigen Strategien entwickeln. China hat eine Vision, eine Strategie, genügend hoch motivierte Bürger und das nötige Kapital auf der Habenseite, um seine Vision zu verwirklichen. Eventuell ist diese Strategie wesentlich friedlicher für die Welt als die des Westens.
Bernd Motzkuhn, Leimen (Bad.-Württ.)

DER SPIEGEL 47/2017
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