02.12.2017

So gesehenKnifflige Zahlen

Warum die vielen Umfragen ein Segen sind – oder auch nicht
Zu den boomenden Zweigen der deutschen Wirtschaft zählen derzeit die Meinungsforschungsinstitute für Politik. Es gibt inzwischen mindestens sechs bekannte Institute und fast täglich frische Umfragen. Hinzu kommen, gottlob, immer neue Internetdinger, die quasi stündlich messen können, wo die Parteien gerade stehen. Leider beschränken sie sich, wenn überhaupt, bislang auf nur eine Stelle hinter dem Komma, um keine falsche Präzision vorzutäuschen.
Politikjournalisten erleichtern die vielen Umfragen die Arbeit enorm. Musste man sich früher eigene Gedanken über die Lage einer Partei machen, kann man jetzt täglich bequem nachsehen, wie es gerade um sie steht. Dann sucht man sich noch ein, zwei Gründe, warum das so sein könnte, fertig ist die Analyse.
Etwas knifflig wird es leider, wenn so was wie in dieser Woche passiert. Am Sonntag las ich auf Welt.de: "Volksparteien legen zu." In der neuesten Umfrage von Emnid waren nicht nur die Christ-, sondern auch die Sozialdemokraten geklettert, Letztere auf immerhin 22 Prozent. Tags darauf meldete Welt.de: "SPD nur noch bei 19 Prozent". Da waren die Forsa-Zahlen frisch auf den Markt gekommen. Schon einen Tag später hatten sich die wackeren Genossen aber wieder erholt: "Union und SPD im Aufwind", las ich auf Welt.de. Demnach war die SPD beim Institut Insa auf 22 Prozent gestiegen. Vielleicht, dachte ich kurz, muss man doch wieder eigene Gedanken entwickeln. Oder man blendet Forsa künftig aus.
Von Markus Feldenkirchen

DER SPIEGEL 49/2017
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