02.12.2017

AnalyseFalschinformationskrieg

Die US-Rechten arbeiten mit neuen Mitteln daran, die etablierten Medien zu diskreditieren.
Er lässt sich gern als Investigativjournalist feiern, aber in Wahrheit ist James O'Keefe das Paradebeispiel eines rechten Aktivisten in der Ära Donald Trump. O'Keefe leitet das "Project Veritas", eine vordergründig gemeinnützige Organisation, die daran arbeitet, ihre politischen Gegner zu diskreditieren. Dazu zählen vermehrt auch Journalisten. In dieser Woche ist der Krieg gegen die etablierten Medien noch eine Spur dreckiger geworden.
Am Dienstag kam heraus, dass eine von O'Keefes mutmaßlichen Aktivistinnen versuchte, der "Washington Post" falsche Informationen über Roy Moore unterzujubeln. Moore ist Republikaner und Kandidat für die Senatswahl in Alabama; mehrere Frauen hatten jüngst in der "Washington Post" berichtet, dass er ihnen nachgestellt habe, als sie selbst Teenager waren. Die Undercover-Aktivistin erzählte nun, Moore habe sie geschwängert. Sie sei 15 gewesen und habe abgetrieben. Doch dann kam heraus: All das war erfunden in der Absicht, die Zeitung und ihre Berichterstattung zu diskreditieren.
Die Episode zeigt, wie skrupellos die Aktivisten aus dem rechten Spektrum sind. Zu den Protagonisten dieses Informationskrieges zählen auch Provokateure wie Mike Cernovich und Giftmischer wie Alex Jones von "Infowars". Sie halten die etablierten Medien für parteiisch; mittels Desinformationen wollen sie das Vertrauen in die Presse schwächen und den Kulturkampf anheizen, den Trumps Ex-Berater Stephen Bannon gegen das mediale Establishment führt.
Der in Amerika grassierende Hass auf die Medien ist sogar ein gutes Geschäft. "Project Veritas" sammelte voriges Jahr knapp fünf Millionen Dollar an Spenden. Es gibt viele konservative Unterstützer, die für fragwürdige bis illegale Methoden in diesem Kulturkampf Geld ausgeben.
Von Christoph Scheuermann

DER SPIEGEL 49/2017
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