02.12.2017

Magischer Moment„Wir machten eine Schneeballschlacht“

Die Ex-Handballerin Andrea Bölk (r.), 49, über ihren Weltmeistertitel und Ratschläge an ihre Tochter Emily
SPIEGEL: Stimmt es, dass Sie sich kürzlich das WM-Finale von 1993 auf YouTube angeschaut haben?
Bölk: Ja, nach 24 Jahren habe ich das Spiel zum ersten Mal gesehen. Es hat mich emotional gepackt. Meine Tochter Emily und ich hatten einen schönen Videoabend.
SPIEGEL: Warum wurde das Endspiel damals nicht im Fernsehen übertragen?
Bölk: Am gleichen Tag schlug Michael Stich im Davis-Cup-Finale auf. Tennis war offenbar wichtiger.
SPIEGEL: Zählte die deutsche Mannschaft bei der WM in Norwegen zu den Favoriten?
Bölk: Wir hatten in der Vorbereitung schlecht ausgesehen, deshalb hatte uns niemand auf der Rechnung.
SPIEGEL: Im Turnierverlauf steigerte sich das Team kontinuierlich.
Bölk: Wir hatten nur gegen Rumänien einen Durchhänger. Aber nach der Niederlage fuhr Trainer Lothar Doering mit uns in den Schnee. Das war sehr wichtig.
SPIEGEL: Wie meinen Sie das?
Bölk: Statt in der Halle in Oslo zu trainieren, machten wir eine Schneeballschlacht am Holmenkollen. So bekamen wir an der frischen Luft die Köpfe wieder frei.
SPIEGEL: Gegen Österreich ging es dann um den Einzug ins Endspiel.
Bölk: Eine unvergessliche Partie. Uns gelang fast alles – auf der anderen Seite wuchs der Frust. Am Ende hatten wir die mit 25:10 abgefertigt.
SPIEGEL: Im Finale zwangen Sie Favorit Dänemark in die Verlängerung.
Bölk: Die Schlussphase war ein Wahnsinn. Sybille Gruner warf deren Torfrau bei 16:17 einen Siebenmeter eiskalt durch die Beine. Bianca Urbanke gelang schließlich der Siegtreffer zum 22:21.
SPIEGEL: Haben Sie die Sensation gebührend gefeiert?
Bölk: Nein, die halbe Mannschaft lag mit einem Virus flach. Als nach dem Sieg die Spannung abfiel, fühlte auch ich mich zu ausgelaugt.
SPIEGEL: Zurzeit läuft die WM in Deutschland, Ihre Tochter ist dabei. Haben Sie Emily einen Rat mitgegeben?
Bölk: Ich habe ihr gesagt, dass sie sich nicht über Fehler ärgern darf und dass sie kämpfen soll bis zum Umfallen.
SPIEGEL: Kann Deutschland den Titel gewinnen?
Bölk: Nichts ist unmöglich, aber wenn ich an die potenziellen Gegner im Achtelfinale denke, wird mir schon etwas mulmig. Im schlimmsten Fall wird es Olympiasieger Russland.
Von Pk

DER SPIEGEL 49/2017
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