02.12.2017

KommentarEin Schwein mit Davidstern

Der WDR trennt sich von Roger Waters – mit der falschen Begründung.
Dank der beherzten Intervention der Kölner Bürgerin Malca Goldstein-Wolf hat der WDR in dieser Woche die Kooperation mit dem Antisemiten Roger Waters beendet. Waters, Gründungsmitglied von Pink Floyd, zählt zu den prominenten Köpfen der internationalen Boykottkampagne gegen Israel (BDS). Ursprünglich wollte der WDR im kommenden Juni ein Waters-Konzert in Köln übertragen. Dem WDR haben sich inzwischen SWR, BR, NDR und RBB angeschlossen, auch diese Sender werden keine Auftritte des Musikers mehr ausstrahlen. So weit die gute Nachricht.
Die schlechte steckt in der Begründung. "Ich spüre", so schrieb WDR-Intendant Tom Buhrow an Goldstein-Wolf, deren Petition von mehr als 1500 Menschen unterstützt wurde, dass in dieser Angelegenheit "nur eine eindeutige Haltung" gefragt sei. "Deshalb komme ich Ihrer Bitte nach: Die Zusammenarbeit für das Konzert ist beendet." In einer Pressemitteilung ließ Buhrow zudem erklären, dass die Absage "ein Signal des Verstehens an die jüdischen Gemeinden" sei.
Der Intendant irrt, und zwar aus zwei Gründen. Erstens: Die ARD-Musikredakteure hätten auch ohne diese Intervention längst registrieren müssen, dass Waters seit 2010 bei seinen Konzerten einen Ballon in die Luft steigen lässt, der die Form eines Schweins hat und mit einem Davidstern verziert ist. Allein der Plan, ein Waters-Konzert auszustrahlen, dokumentiert schon das Versagen sämtlicher Kontrollinstanzen in den öffentlich-rechtlichen Sendern.
Und zweitens: Buhrow erweckt den Eindruck, als täte er mit seiner Entscheidung den deutschen Juden einen Gefallen. Das ist, mit Verlaub, Bullshit. Wenn er überhaupt jemandem einen Gefallen tut, dann allen und insbesondere den nicht jüdischen Deutschen – indem er nämlich die Verbreitung antisemitischen Schwachsinns unterbindet.
Von Martin Doerry

DER SPIEGEL 49/2017
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