02.12.2017

VietnamkriegHügel 875

Gerade noch bemühte sich General Westmoreland, der Oberbefehlshaber der US-Truppen in Vietnam, in Washington Zuversicht zu verbreiten, da eröffneten die Vietcong im südvietnamesischen Hochland eine zweite Front. Die erbittert geführte Schlacht von Dak To brachte keiner Seite einen Vorteil.
In den vier Jahren, die er nun in Vietnam sei, sei er "noch nie so zuversichtlich gewesen", verkündete General William C. Westmoreland in Washington; jedem Amerikaner, sekundierte Präsident Johnson, müsse angesichts der Erfolge in Vietnam "vor Stolz die Brust schwellen". Das war "neu – und schwer zu glauben", kommentierte der SPIEGEL trocken. Denn zeitgleich zum offiziell verbreiteten Optimismus gerieten Amerikas Soldaten in Vietnam in die bis dahin "blutigste und verlustreichste Schlacht des Krieges".
Die Nordvietnamesische Volksarmee (NVA) hatte Anfang November 1967 im Hochland nahe der Grenzen zu Kambodscha und Laos eine zweite Front eröffnet. 17 000 Soldaten hatten sich in dem tropischen Bergland in einem gut vorbereiteten Bunker- und Tunnelsystem "eingenistet". Die menschenleere Region war klug gewählt: Das Buschwerk des dortigen Dschungels war so dicht, dass die US-Militärs weder gezielt Bomben abwerfen, noch Hubschrauber landen lassen konnten, um Einheiten schnell an die Kampfhandlungen heranzuführen. Damit war die technische Überlegenheit der US Army wertlos. Für die NVA hingegen war die Gegend auch deshalb ideal, weil sie sich hinter den Grenzen "in ein Sanktuarium zurückziehen" konnten, das für Amerikas Soldaten so gut wie tabu war.
"Wir warten auf den Kampf", tönte Westmoreland, geradeso als freute er sich über die Offensive. Unter allen Umständen wollte der General verhindern, dass die Kommunisten Südvietnam durch ihren Vorstoß in der Mitte teilen konnten. Am 3. November griffen die "roten Regimenter" die US-Basis Dak To an, und der Kampf gestaltete sich unerfreulicher, als Westmoreland sich das erhofft haben mag. Die Nordvietnamesen griffen "mit einer Wildheit und Zähigkeit" an, wie sie die Amerikaner nur selten erlebt hatten. Als besonders verlustreich erwies sich die Schlacht um den Hügel 875: "Mit 142 Mann kamen wir letzte Woche hier herauf", erklärte ein Leutnant der 4. Infanteriedivision nach seiner Rückkehr, "jetzt sind wir noch 60." Die übrigen lagen im Dschungel, waren vermisst oder verwundet. Immer wieder versuchten amerikanische und südvietnamesische Fallschirmjäger, den Hügel zu stürmen; "immer wieder wurden sie zurückgeschlagen."
Stattdessen fielen zwei 500-Pfund-Bomben des US Marine Corps vom Himmel, die in einem der schlimmsten Fälle von Friendly-Fire 42 amerikanische Soldaten töteten. Eine Bombe explodierte mitten auf einem US-Verbandsplatz. Erst nach fünf Tagen und erst nachdem jegliche natürliche Deckung weggebombt worden war, konnte die Höhe erobert werden. Die Nordvietnamesen freilich waren bereits – wie so oft – in der Nacht abgezogen. Kurz nach der Einnahme mussten auch die amerikanischen Truppen den Hügel wieder aufgeben.
Rund 450 Todesopfer aufseiten der Amerikaner und ihrer Verbündeten, zwischen 1000 und 1500 Nordvietnamesen waren letztlich für nichts gestorben, der Krieg ging für sieben lange Jahre weiter.

DER SPIEGEL 49/2017
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