23.12.2017

TextilindustrieFairer Lohnin weiter Ferne

Das kommende Jahr 2018 sollte für die Textilarbeiter des Modehändlers H & M eigentlich ein gutes werden: Bis dahin, versprach der Konzern vor vier Jahrern, wolle man allen 850 000 Beschäftigten in der Lieferkette einen fairen, existenzsichernden Lohn zahlen. Das Projekt ist gescheitert. Bei H & M spricht man inzwischen nur noch von "Lohn-Management-Systemen", die man in den Zulieferfabriken verankern will. "Das heißt nicht, dass dort ein fairer Lohn bezahlt wird", sagt eine Unternehmenssprecherin – nur geredet wird darüber. Und selbst solche Gespräche konnten bis Ende 2016 erst in 291 der rund 750 Zulieferbetriebe verankert werden. Vom Zwei-Milliarden-Dollar-Gewinn brauche H & M nur 1,9 Prozent zu nehmen, um den Lohn der Mitarbeiter in Kambodscha um 78 Dollar auf ein existenzsicherndes Niveau anzuheben, kritisiert die Kampagne für Saubere Kleidung. Noch träger als der schwedische Modegigant wirkt das deutsche Textilbündnis, eine 2014 etablierte Partnerschaft von 150 Unternehmen, Verbänden, NGOs und der Bundesregierung. Das Bündnis soll für bessere Arbeitsbedingungen in der Branche sorgen. Gerechte Löhne sollten 2018 eigentlich ein Schwerpunktthema des Bündnisses sein, zu dem Unternehmen wie Aldi, Kik und Hugo Boss zählen. Die laschen Regeln sehen lediglich vor, dass die Firmen an einer Maßnahme mitarbeiten müssen, die auf existenzsichernde Löhne abzielt. Dafür haben sie bis 2019 Zeit.
Von Nkl

DER SPIEGEL 52/2017
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