23.12.2017

KunstKampf um die Träume

Seit 2002 werden im Arrestblock von Guantanamo Männer festgehalten, die die USA für Terroristen hält, erst waren es Hunderte, mittlerweile sind es noch 41. Immer wieder haben Menschenrechtsorganisationen die Bedingungen, die fehlenden Prozesse, die Folter kritisiert. Zugleich werden in Guantanamo – was etwas bizarr wirkt – seit etlichen Jahren Kunstkurse angeboten. Werke, die den Zensoren als unbedenklich erschienen, durften die Insassen sogar ihren Anwälten übergeben: Oft waren das Landschaftsansichten, einige wirken idyllisch, andere sehr düster. Eine New Yorker Hochschule für Kriminologie veranstaltet derzeit eine Ausstellung mit dieser Gefängniskunst. Inzwischen verwehrt nun das US-Verteidigungsministerium, das für Guantanamo zuständig ist, den Häftlingen das Recht an der eigenen Kunst. Davon betroffen sind auch jene Männer, die bereits entlassen wurden. Sie dürfen ihre Schöpfungen nicht ihr Eigen nennen und nicht verkaufen. Das Ministerium drohte, man könne die Objekte verbrennen, wenn man wolle. Die Gefangenen hätten ihre "Träume, Gefühle, Hoffnungen und Leben" in diese Kunst gelegt, schrieb Mansur al-Dayfi, einer der ehemaligen Insassen, in einem Beitrag für die "New York Times". Ihnen diese Werke wegzunehmen, das bekundete er auch, sei so, als würde man ihnen ihre Kinder wegnehmen.
Von Uk

DER SPIEGEL 52/2017
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