23.12.2017

BriefeEin Engelsgesicht

Nr. 51/2017 Wunsch: Kind – Wenn die Sehnsucht nach einem Baby zum Drama wird
"Dieser Artikel ist wie aus unserem Herzen geschrieben und bestätigt alle Erfahrungen und Zweifel."
Michael Hopf, Bad Mergentheim
Ich bin schockiert darüber, wie das Leid dieser Frauen oftmals zugunsten des Profits missbraucht und wie mit ihren Gefühlen gespielt wird. Ich hatte vor 20 Jahren nach einem erfolglosen In-vitro-Fertilisationsversuch genug der Strapazen und habe mich gegen einen zweiten entschieden. Wichtig wäre eine intensivere Unterstützung der betroffenen Frauen dahingehend, ihren Fokus auf eine alternative Lebensgestaltung zu richten und sich ihrer Unabhängigkeit und Sorglosigkeit bewusst zu werden, um sich so selbst die Chance zu geben, neue Seiten an sich zu entdecken. Neben einem späten Studium der Kulturwissenschaften genieße ich seit 20 Jahren meine Hobbys Kulturreisen, Theater und Katzen in vollen Zügen. Ich liebe mein Leben genau so, wie es ist.
Henriette Stadtfelder-Dekorsy, Bremen
Wenn die (unerfüllte) Sehnsucht nach einem Baby so dominant wird, dass sie andere Aufgaben verdrängt, sollte man den Kinderwunsch aufgeben. Es gibt genug anderes zu tun, zu entdecken, zu kommunizieren und zu erforschen. Die Weitergabe des Lebens ist für uns Menschen ein geistiger Vorgang, der jedem in jedem Augenblick möglich sein sollte.
Christoph Müller-Luckwald, Bingen (Rhld.-Pf.)
Zu welcher Belastung sich ein unerfüllter Kinderwunsch entwickeln kann, ist von Nichtbetroffenen kaum nachzuvollziehen. Mit gegenseitigem Druck unter den Frauen hat er wenig und mit einer "Diktatur der Babymacher in der Gegenwart" gar nichts zu tun. Vielmehr ist er Hinweis auf die von der Evolution auch dem Menschen auferlegte Bedeutung eigener Fortpflanzung.
Dr. Bernd Warkentin, Lörrach (Bad.-Württ.)
In einem solchen Artikel sollte auch das Thema Adoption behandelt werden. Kinderwunsch-Paare sollten sich mit der Frage auseinandersetzen, ob sie auch Kinder, die nicht ihre Gene haben, lieben könnten. Ob sie ihre Zuwendung nicht Menschen schenken wollen, die es bereits gibt. Ein meinungsmachendes Organ wie der SPIEGEL hätte den Einfluss, eine Bewegung anzuregen, die das Thema Adoption aus der dunklen Ecke holt und für würdige Bedingungen sorgt. So könnte dem Menschenhandel entgegengewirkt werden. Osteuropäische Waisenhäuser sind voll mit Kindern, einige dieser Staaten haben ein sehr fortschrittliches Adoptionsrecht. Die dort vollzogenen Auslandsadoptionen sind legal und werden vom deutschen Staat problemlos anerkannt.
Mareike Boom, Königstein im Taunus (Hessen)
Wenn kein Kind kommt, muss es kein Drama werden. Wir sind – im Unterschied zu unserem Freundeskreis – ungewollt kinderlos geblieben und konnten bald nicht mehr mitreden. Bei aller Wehmut haben wir unser Schicksal auch als Chance begriffen. Wir haben etwas gemacht, was Eltern nicht machen können: eine einjährige Weltreise! Dass wir danach noch ein Kind adoptieren würden, war genauso wenig geplant wie unsere "Kinderlosigkeit". Heute, fast 30 Jahre nach der Weltreise, haben wir die Erinnerungen an ein einmaliges Erlebnis und sind immer noch mit unserem Kind verbunden. Es ergibt also wirklich keinen Sinn, in ein Leben im "Hoffnungsterror" zu versinken.
Michael Mönkemeyer, Köln
Welch seelische Grausamkeit, solch ein Engelsgesicht auf dem Titel Menschen zu zeigen, die vergebens auf Nachwuchs hoffen!
Dieter Blumtritt, Helmstedt (Nieders.)
Da sage einer noch, nur wir Männer seien hormongesteuert. Rational jedenfalls kann man heutzutage einen Kinderwunsch nicht begründen – im Zeitalter der Putins, Trumps, Kim Jong Uns, Erdoğans und sonstiger unberechenbarer Individuen. Von Klimawandel und Übervölkerung gar nicht erst zu reden. Oder haben die Eltern wenigstens vor, die Kinder zu befragen, ob sie in diese schlimme Welt gesetzt werden wollen? Geht nicht?! Dann lasst das Kinderkriegen – im Interesse der Kinder.
Wolfgang Luckner, Bonn

DER SPIEGEL 52/2017
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