30.12.2017

PolenVergiftete Erinnerung

Ein Denkmal droht die Beziehungen zwischen Polen und der Ukraine zu vergiften: Es ist 14 Meter hoch, zeigt ein auf eine Mistgabel gespießtes Kleinkind und eine Familie, die in einem Flammenmeer umkommt. Darüber breitet ein Adler, das polnische Wappentier, seine Schwingen aus. Die Skulptur soll an Massaker erinnern, die ukrainische Nationalisten im Zweiten Weltkrieg an Polen begangen haben. Bis zu 60 000 Polen wurden damals getötet. Pater Tadeusz Rydzyk, Betreiber des national-katholischen Senders "Radio Maryja", in dem regelmäßig Mitglieder der konservativen Regierungspartei PiS auftreten, möchte das Denkmal in seiner Heimatstadt Torun aufstellen. Mehrere polnische Städte haben die Skulptur bereits abgelehnt, selbst die rechte Zeitung "Gazeta Polska" nennt es "nekro-pornografisch". Ukrainische Parlamentarier kritisieren, das Monument erinnere weder an die vielen Ukrainer, die Polen retteten, noch an die zahlreichen ukrainischen Toten. Bis zu 20 000 Ukrainer starben damals bei polnischen Racheaktionen. Seit der Wende von 1989 bemühen sich Politiker beider Länder um Versöhnung. Warschau hatte sich sogar bei der EU dafür eingesetzt, die Ukraine bei einer neuen Osterweiterung zu berücksichtigen.
Von Jpu

DER SPIEGEL 1/2018
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Polen:
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