27.01.2018

GewohnheitenMüssen wir heute noch im Kopf rechnen, Herr Gebhardt?

Rainer Gebhardt, 64, ist Mathematiker und Vorsitzender des Adam-Ries-Bundes in Annaberg-Buchholz in Sachsen.
SPIEGEL: Vor 500 Jahren hat Adam Ries sein erstes deutsches Rechenbuch verfasst. Was meinen Sie, hätte Ries heute einen Taschenrechner?
Gebhardt: Davon gehe ich aus. Er ging immer mit der Zeit und war darum bemüht, eine komplizierte Rechnung möglichst schnell auszuführen.
SPIEGEL: Warum müssen wir dann heute noch "nach Adam Ries" rechnen?
Gebhardt: Die Zahlen haben sich ja nicht verändert.
SPIEGEL: Aber das Rechnen im Kopf wird doch überflüssig.
Gebhardt: Das sehe ich nicht so. Man hat zwar heute andere Rechenhilfsmittel, aber im Alltag wird das Kopfrechnen immer notwendig sein. Verschiedene Operationen müssen einfach im Kopf durchgeführt werden. Das Vergleichen und Abschätzen von Distanzen oder Preisen etwa.
SPIEGEL: Da nehme ich dann mein Smartphone.
Gebhardt: Aber wenn Sie über den Taschenrechner Ihres Smartphones ein Ergebnis erhalten, müssen Sie ja einschätzen können, ob das Ergebnis realistisch ist. Das kann Ihnen so ein Rechner nicht sagen, der sagt nur, was rauskommt.
SPIEGEL: Zwischenfrage: Was ergibt 59 mal 33?
Gebhardt: (überlegt 30 Sekunden) Das ist schwierig ... das müsste 1947 sein!
SPIEGEL: Korrekt. Wann haben Sie das letzte Mal einen Taschenrechner benutzt?
Gebhardt: Gestern. Ich wollte Tabs für die Spülmaschine kaufen. Wenn der einzelne Tab unter 14 Cent kostet, ist das okay. Wenn der Preis darüber liegt, ist das schlecht. Es waren 13,2 Cent, ich habe die Tabs genommen.
Von Red

DER SPIEGEL 5/2018
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