03.02.2018

Deutsche BankStrafanzeigen gegen Topmanager

Der Konzern soll im Zoff mit früheren Postbank-Aktionären Prozessbetrug begangen haben.
Der Rechtsstreit zwischen der Deutschen Bank und ehemaligen Aktionären der Konzerntochter Postbank eskaliert. Die Kanzlei BayerLaw hat bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main Strafanzeige gegen frühere und aktuelle Vorstände der Deutschen Bank (darunter Konzernchef John Cryan und Vorvorgänger Josef Ackermann), der Postbank, von deren Ex-Muttergesellschaft Post, gegen Anwälte der Kanzleien Hengeler Mueller und Freshfields sowie Spitzenbeamte der Finanzaufsicht BaFin gestellt. Die Beschuldigten sollen die Umstände des Einstiegs der Deutschen Bank bei der Postbank im Herbst 2008 falsch dargestellt haben – faktisch sei die Postbank überschuldet und reif für eine Verstaatlichung gewesen. Mit einem Kooperationsrahmenvertrag und Stimmrechtsbindung der Post habe die Deutsche Bank sofort durchregiert, obwohl sie anfangs nur gut 29 Prozent der Anteile erworben hatte. Erst 2010 hatte sie die Mehrheit übernommen und den restlichen Aktionären deutlich weniger gezahlt. Über diesen Punkt streiten sich Deutsche Bank und Ex-Postbank-Aktionäre seit Jahren; am 29. Juni entscheidet das Oberlandesgericht Köln über Nachzahlungsansprüche der Effecten-Spiegel AG. Doch die Anschuldigungen von BayerLaw reichen weiter: So sollen die Anwälte der Deutschen Bank im Auftrag des jetzigen Vorstands versucht haben, die Verfahren so zu strecken, dass Ansprüche verjähren – etwa durch Vortrag falscher Tatsachen und damit Prozessbetrug sowie einen Musterverfahrensantrag der Bank gegen sich selbst. Die hält die Vorwürfe für substanzlos und für einen Versuch, die Stimmung aufzuheizen.
Von Baz,

DER SPIEGEL 6/2018
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