10.02.2018

KommentarEinspruch, Frau Mortler!

Die Bundesdrogenbeauftragte verhindert einen besseren Schutz Jugendlicher.
Na endlich: Sogar der Bund Deutscher Kriminalbeamter spricht sich jetzt für die Legalisierung von Cannabis aus. Nur Marlene Mortler (CSU) ficht das nicht an. Die Bundesdrogenbeauftragte beharrt auf dem strikten Haschverbot; sie werde "nicht tatenlos zuschauen, wie Jugendliche im wahrsten Sinne des Wortes ihre Zukunftsperspektive verkiffen".
Einspruch, Frau Mortler. Niemand will Teenagern Cannabis geben. Im jugendlichen Alter wirkt Cannabis – übrigens wie Alkohol – besonders schädlich auf das sich entwickelnde Gehirn. Legalisierung bedeutet nur, dass der Staat endlich seiner Pflicht nachkommt und eine im Volk offensichtlich beliebte Substanz dem Klammergriff der Unterwelt entreißt. Dass er denen, die volljährig sind und sich aus freien Stücken dazu entscheiden, den möglichst sicheren Konsum ermöglicht; im Gegenzug entrichten die Nutzer Steuern auf ihre Droge. Legalisierung bedeutet auch, dass der Staat die Abgabe des Problemprodukts besser kontrolliert. In Kanada zum Beispiel, wo Cannabis ab Juli in lizenzierten Fachgeschäften erhältlich sein soll für den Freizeitgebrauch Erwachsener, gilt ein knallhartes Abgabeverbot an Jugendliche. Wer es unterläuft, riskiert bis zu 14 Jahre Haft. Wie gut sind dagegen deutsche Teenies vor Pausenhof-Dealern geschützt, Frau Mortler?
Im US-Bundesstaat Colorado ist das Kiffen seit 2014 legal. Seither sinkt dort die Zahl der jungen Cannabisnutzer, weil der Zugang zur Droge für sie schwieriger geworden ist. In Deutschland hingegen steigt die Zahl kiffender Teenager seit Jahren. Und Sie, Frau Mortler, schauen eben doch tatenlos zu.
Viele westliche Länder nehmen gerade Kurs auf eine liberalere, pragmatische Drogenpolitik, die zu mehr Menschlichkeit und weniger Leid führen soll. Die Ergebnisse, ob in Portugal, Spanien oder den Niederlanden, sind vielversprechend. Deutschland sollte diesen Vorbildern folgen.
Von Marco Evers

DER SPIEGEL 7/2018
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