10.02.2018

Der Augenzeuge„Knien sie?“

Mika Wickinger, 19, war mit seinem Vater beim Super Bowl, dem Finale der American-Football-Liga in den USA. Doch beim Spiel der Philadelphia Eagles gegen die New England Patriots ging es nicht nur um Sport.
"Zeitlich hat mir der Trip zum Super Bowl gar nicht gut gepasst. Zusammen mit einem Freund werde ich im April eine Bar in Celle eröffnen, und deshalb habe ich sauviel um die Ohren. Aber mein Vater hat mich mit den Karten überrascht, und da konnte ich nicht Nein sagen. Wir sind dann für fünf Tage nach Minneapolis geflogen, und das Highlight war das Spiel am Sonntagabend.
Wir saßen ziemlich weit oben und hatten einen perfekten Blick auf das Spielfeld. Im Stadion waren mehr als 67 000 Zuschauer – der Hammer! Ich hätte gern ein Bier getrunken, doch dafür bin ich in den USA noch zu jung. Deshalb gab's Pepsi und 'Macaroni and cheese'.
Vor dem Spiel haben sich alle gefragt, wie politisch dieser Super Bowl wird. Donald Trump war nicht im Stadion, aber einige Footballspieler haben sich in letzter Zeit während der Nationalhymne hingekniet, um gegen Polizeigewalt gegenüber Schwarzen zu protestieren. Bevor Pink die Hymne gesungen hat, habe ich meinen Vater gefragt: 'Na, was meinst du? Knien sie sich hin?' Wir waren schon ein wenig gespannt, was passieren wird. Am Ende standen beide Mannschaften Arm in Arm. Doch die Spannung hat man gemerkt. Ich finde den Protest der Spieler berechtigt, denke aber, dass der Super Bowl der falsche Ort für Politik ist. Von daher glaube ich, die haben das richtig gemacht.
Das Spiel selbst war dann superspannend. Mein Vater und ich waren für den Underdog, also die Philadelphia Eagles. Und die haben das Spiel dann am Ende knapp für sich entschieden! In der Halbzeitpause ist Justin Timberlake aufgetreten. Er hat in seiner Show an Prince erinnert, der vor zwei Jahren gestorben ist und aus Minnesota stammt. Als Timberlake da am Klavier saß, das war einfach unglaublich gut.
Ich spiele schon seit mehr als fünf Jahren selbst American Football bei den Hannover Grizzlies. Wir sind gerade in die 4. Liga aufgestiegen. Football wird in Deutschland allerdings noch eine Weile brauchen, um sich zu etablieren. Bis hier mal 67 000 Menschen zu einem Spiel kommen, kann es noch dauern."
Von Imre Balzer

DER SPIEGEL 7/2018
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