24.02.2018

AnalyseAufschrei der Jugendlichen

Die Anti-Waffen-Lobby in den USA hat neue Helden: Schüler
Jetzt müssen also Kinder die Probleme der Erwachsenen lösen. So sieht es aus, gut eine Woche nach dem Blutbad an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland im US-Bundesstaat Florida, mit 17 Toten: Schüler gehen in Scharen auf die Straße und fordern schärfere Waffengesetze, gegen die sich Washington seit Jahren so trotzig sperrt. Im März wollen sie in der US-Hauptstadt protestieren.
Es sind wütende Jugendliche wie die Schülerin Emma González, die die Waffendebatte vorantreiben, und das ist die erste positive Folge dieser Wahnsinnstat: Das Land redet endlich weniger vom Täter als von den Opfern und Überlebenden eines Dramas. Die Schüler von Parkland sind glaubwürdig, authentisch und medientauglich, das hilft ihnen, ihre Botschaft ins Land zu tragen. Das führt auch dazu, dass der Protest diesmal leidenschaftlicher ist als nach anderen Attentaten.
Der Schüler Ryan Deitsch, 18 Jahre alt, fragte am Mittwoch bei einer CNN-Debatte in Florida den republikanischen Senator Marco Rubio: "Warum müssen wir nach Washington ziehen, um unschuldige Leben zu retten?" Wir sind die Kinder, ihr seid die Erwachsenen, sagte David Hogg, 17, einige Tage zuvor, auch er ein Schüler der High School.
Donald Trump hätte jetzt die Chance, das Waffenrecht zu verschärfen. Er kennt die Macht der Bilder, wenn Kinder im Fernsehen um ihre Schulfreunde trauern.
Am vergangenen Mittwoch lud der Präsident Überlebende aus Parkland und Angehörige der Opfer ins Weiße Haus. Danach wollte er das Mindestalter für die Käufer halb automatischer Gewehre auf 21 anheben. Außerdem will er Waffenkäufer genauer überprüfen und Schnellfeuerkolben verbieten, sogenannte "bump stocks".
Die Wut der Schüler konnte er damit bislang nicht besänftigen. Im Moment sieht es aus, als ließen sich die Kinder von Parkland nicht mit Minimalversprechen zufriedenstellen.
Von Christoph Scheuermann

DER SPIEGEL 9/2018
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