03.03.2018

Früher war alles schlechterWien, für Frauen

Stadt der Frauen. Kämen Außerirdische auf die Erde, um uns Menschen zu erforschen, dann würden sie unsere Städte studieren, so wie ein Ameisenforscher den Ameisenbau. Sie würden feststellen, dass moderne westliche Städte im 21. Jahrhundert die existenziellen Grundbedürfnisse ihrer Bewohner, anders als zu Charles Dickens' Zeiten, längst ziemlich gut befriedigen (Behausung, Kanalisation, Trinkwasser, Verkehr), sodass die Stadtplaner sich anderen, feineren Interessenlagen zuwenden können. Sie bauen Radwege für Radfahrer, Spielplätze für Kinder und sorgen sich um Barrierefreiheit. Braucht es auch planerische und städtebauliche Maßnahmen für Frauen? Gibt es so etwas wie einen "Urban Gender Gap"? In Wien fand man: ja, durchaus. Auch wenn die langjährigen Bemühungen der damaligen Gruppe für "Alltags- und Frauengerechtes Planen und Bauen" in der Stadtbaudirektion bei manchen Kollegen aus der Verwaltung offenbar zunächst zur Frage führte, "ob nun alle Gehwege rosa gestrichen würden", erzählt eine der beteiligten Stadtplanerinnen. Stattdessen wurden mehr und hellere Straßenlampen aufgestellt, zur Erhöhung des Sicherheitsgefühls. Tiefgaragen erhielten Tageslichtschächte. Um Müttern (und Vätern) die täglichen Wege mit Kinderwagen zu erleichtern, wurden Gehsteige verbreitert, abgesenkt, mit Rampen versehen. Mit knapp 80 Projekten, auch großen Wohnprojekten, wurden in den vergangenen 30 Jahren rund 600 Hektar Stadtgebiet genderoptimiert. Wien hat bis heute 105 Spielplätze und Parkanlagen um- oder neu gebaut – mädchengerecht. Übrigens: Nächsten Donnerstag, 8. März, ist Weltfrauentag. barbara.hardinghaus@spiegel.de

DER SPIEGEL 10/2018
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