07.02.2000

RUSSLANDStalins Brandstifter

Einen "Partisanenkampf ohne Partisanen" führten die Deutschen im ersten Jahr nach ihrem Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941, gegen versprengte Rotarmisten und wehrlose Zivilisten - das behauptete die Wehrmachtsausstellung des Hamburger Reemtsma-Instituts. Doch jetzt veröffentlichte das Zentralarchiv des russischen Sicherheitsdienstes FSB offiziell den Befehl Stalins Nr. 0428 vom 17. November 1941, der massenhafte Partisanentätigkeit anordnete: Um den deutschen Soldaten vor Moskau jede Möglichkeit einer Unterkunft zu nehmen, sollten "Jagdkommandos" im Rücken des Feindes 40 bis 60 Kilometer tief und auf beiden Seiten aller Straßen in einem jeweils 20 bis 30 Kilometer breiten Streifen verbrannte Erde schaffen. Jegliche Behausung sei mit Molotowcocktails zu zerstören - auch jede Scheune oder jeder Stall. Wie der Befehl umgesetzt wurde, geht aus weiteren FSB-Veröffentlichungen hervor, die neue Details, etwa über die Nationalheldin Soja Kosmodemjanskaja, 18, enthalten. Kosmodemjanskaja (Deckname: "Tanja") gehörte zur Diversionsabteilung Nr. 9903 mit 400 Agenten der sowjetischen Geheimpolizei. Zehn Tage nach dem Stalin-Befehl, in der Nacht des 27. November 1941, setzte die Partisanenkämpferin das Dorf Petrischtschewo nahe Moskau in Brand, zusammen mit zwei Genossen. Einen davon, den gleichaltrigen Wassilij Klubkow, fingen deutsche Soldaten. Im Verhör verriet er seine Mitkämpferin, die rasch gefunden und zwei bis drei Stunden lang mit Gummiknüppeln verprügelt wurde. Klubkow sah noch, wie sie bewusstlos hinausgetragen wurde. Wegen Brandstiftung wurde sie wenig später von den deutschen Wehrmachtsoldaten aufgehängt, Denunziant Klubkow von der Roten Armee ergriffen und als Verräter erschossen.

DER SPIEGEL 6/2000
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