10.03.2018

AnalyseMarines Zauber wirkt nicht mehr

Der Front National versucht, aus der Krise zu kommen.
Die Frau, vor der einst alle zitterten, macht niemandem mehr Angst. Marine Le Pen steckt mit ihrer Partei, dem rechtspopulistischen Front National (FN), seit Monaten in einer tiefen Krise. Beim Parteitag an diesem Wochenende möchte sie wieder in die Offensive kommen – unter anderem soll der FN neue Statuten und einen neuen Namen erhalten. Dessen größtes Problem ist im Moment allerdings Le Pen selbst. Sie hat sich nie mehr richtig erholt von der größten Niederlage ihrer Karriere: dem verheerenden Auftritt bei der TV-Debatte mit Emmanuel Macron am 3. Mai 2017. An jenem Abend verlor sie nicht nur das Duell, sie büßte auch den Nimbus ihres politischen Talents und ihrer Gefährlichkeit ein. Le Pen wirkte unvorbereitet, aggressiv, sie stand neben sich und schockierte auch ihre Anhänger. Seither sind ihre Beliebtheitswerte eingebrochen. Obwohl die Politik von Emmanuel Macron im Land umstritten ist, gelingt es Le Pen nicht, sich mit dem FN als wichtigste Oppositionskraft zu profilieren. Stattdessen macht die Partei vor allem mit internen Richtungs- und Machtkämpfen von sich reden. Die Position von Marine Le Pen ist an diesem Wochenende nicht in Gefahr, ihre Wiederwahl als Parteichefin gilt als gesichert. Es wäre auch sicherlich zu früh, sie und den FN abzuschreiben. Und doch erwächst Marine Le Pen Konkurrenz aus der eigenen Familie: ihre 28-jährige Nichte Marion Maréchal-Le Pen, die als Hardlinerin gilt.
Vor den vergangenen Parlamentswahlen hatte sie sich vorerst aus der Politik zurückgezogen, doch bei der Basis ist sie nach wie vor äußerst beliebt. Vor gut zwei Wochen zeigte sie mit einem viel beachteten Auftritt vor den US-Konservativen bei deren Konferenz CPAC, dass sie weiterhin große Ambitionen hat. Die Botschaft, die sie nach Hause sandte, könnte man etwa so übersetzen: Marine Le Pen mag die Gegenwart der Partei sein, doch für die Zukunft stehe ich bereit.
Von Mathieu von Rohr

DER SPIEGEL 11/2018
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