24.03.2018

KommentarDie Dealer diesseits der Mauer

Amerika ächzt unter seiner Drogenkrise – und feiert deren wahre Verursacher.
Was tun, wenn Amokläufer Schulen terrorisieren? Ganz einfach: die Lehrer bewaffnen! Und wenn im Land die Drogensucht grassiert? Na klar: die Dealer exekutieren! US-Präsident Trump hat stets eine Haudrauf-Lösung zur Hand. Zwar weiß er selbst, dass es Todesurteile für Drogenhändler, wie er sie jetzt fordert, wohl nie geben wird. Dennoch hat er erreicht, was er wollte: Die Stimmung ist vergiftet, und Amerika spricht wieder über die Ausweitung der Todesstrafe. Außerdem hat Trump in einem recht: Die Großen im Drogengeschäft sind für mehr Todesfälle verantwortlich als Serienmörder oder Amokläufer. In Amerika sterben auch mehr Menschen durch Drogenmissbrauch als im Straßenverkehr.
Wenn aber Trump die Schuldigen schon in die Todeszelle schicken will, dann sollte er vielleicht mit den schlimmsten aller Drogenbarone beginnen: mit der Familie der Sacklers. Mit dem Verkauf von Rauschgift haben sie ein Vermögen angehäuft, welches dasjenige der Rockefellers noch übertrifft. Es heißt, sie hätten 35 Milliarden Dollar Umsatz mit einer dem Heroin verwandten Substanz gemacht. Angesichts solcher Summen können sie es locker mit mexikanischen Drogenkartellen aufnehmen.
Der Name Sackler ist deutschen Kulturbürgern bekannt: So heißt ein Flügel des Metropolitan Museum of Art in New York, eine Kunstgalerie in Washington, ein Museum der Harvard-Universität. Die Sacklers lassen sich gern feiern als Förderer von Wissenschaft und Kunst. Weniger gern redet die Pharmafamilie über das, worauf sich ihr Vermögen gründet: die aggressive Vermarktung des Schmerzmittels Oxycontin, das am Anfang der schlimmsten Drogenkrise der amerikanischen Geschichte stand.
Doch keine Sorge, liebe Sacklers, Trump hatte nicht euch im Visier, als er von der Todesstrafe für Drogenhändler sprach. Sonst hätte er ja eingestehen müssen, dass das eigentliche Problem diesseits seiner geplanten Mauer an der mexikanischen Grenze liegt.
Von Johann Grolle

DER SPIEGEL 13/2018
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