31.03.2018

Cyberattacken„Hacking wird Teil der Außenpolitik“

Der Sicherheitsexperte Adam Segal, 49, der das Programm für Cyberspace-Politik des US-Thinktanks Council on Foreign Relations leitet und ein Buch über Cyberangriffe veröffentlicht hat ("The Hacked World Order"), spricht über die Attacke gegen den Geschäftsmann Elliott Broidy. Dieser hat gegen die Regierung Katars wegen Cyberspionage in den USA Klage eingereicht: Sie soll seine E-Mails gehackt und US-Medien zugespielt haben. Der Republikaner Broidy, der für US-Präsident Donald Trump Millionenspenden sammelte, ist als Lobbyist für die mit Katar verfeindeten Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) tätig.
SPIEGEL: Was ist das Neuartige am Cyberangriff auf den Lobbyisten Elliott Broidy, und was steckt dahinter?
Segal: Er ist Teil einer Kampagne, mit der in den USA die öffentliche Meinung zu Katar und den VAE beeinflusst werden soll. Diejenigen, die hinter diesem Angriff stehen, wollen Broidy delegitimieren und seine Lobbyarbeit gegen Katar und für die VAE als wirtschaftlich motiviert darstellen. Es ist außergewöhnlich, dass eine Privatperson eine ausländische Regierung wegen einer Cyberattacke verklagt.
SPIEGEL: Lässt sich nachweisen, dass die Regierung Katars beteiligt war?
Segal: Das wird sehr schwierig vor Gericht. Es reicht nicht aus, dass die Hacker möglicherweise katarische IP-Adressen hatten. Man müsste beweisen können, wer den Befehl für den Angriff gegeben hat. Dafür brauchte man Geheimdienstinformationen, auf die eine Privatperson nicht zugreifen kann. Zudem nutzen viele Regierungen Hacker, die ihnen nicht direkt unterstellt sind.
SPIEGEL: Russland, China, die USA, Nordkorea, nun die Golfstaaten – hacken jetzt eigentlich alle?
Segal: Hacking wird Teil der Außenpolitik. Es ist günstig, einfach und manchmal effektiv. Viele gehen davon aus, dass die seit vergangenem Juni schwelende Katarkrise dadurch ausgelöst wurde, dass die VAE katarische Websites hackten und gefälschte Zitate des Emirs von Katar verbreiteten, die den Anschein erweckten, er unterstütze Iran und Israel. Wir werden künftig in jedem Konflikt Cyberangriffe sehen – entweder zum Ausspionieren oder zum Beeinflussen. Es ist schwierig, sich davor zu schützen. Regierungen versuchen es. Aber wenn eine Privatperson ins Visier eines Staates gerät, hat sie keine Chance.
Von RAS,

DER SPIEGEL 14/2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 14/2018
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Cyberattacken:
„Hacking wird Teil der Außenpolitik“

  • Drohkulisse in Shenzhen: Was bedeuten die Militärfahrzeuge an der Grenze zu Hongkong?
  • Trumps Interesse an Grönland: US-Präsident erntet Spott
  • Roboter im All: Russland schickt Humanoiden zur ISS
  • Kalbender Gletscher: Gefährliche Überraschung beim Kajak-Ausflug