07.04.2018

Theater»Mal kein Hickhack«

Ulrich Khuon, 67, Präsident des Bühnenvereins und Intendant des Deutschen Theaters, über den Antrag an die Unesco, die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit anzuerkennen
SPIEGEL: Was ist am Theater in Deutschland so einzigartig, dass es Kulturerbe werden sollte?
Ulrich Khuon: Zuerst mal seine Vielfalt. Es gibt das Amateurtheater, eine breite freie Szene und die etablierten Theater. Es gibt eine tief verankerte Geschichte, große Lebendigkeit, was Ästhetik und Form angeht, und zudem eine hohe Dichte an Spielstätten.
SPIEGEL: Theater und Musik werden jährlich mit rund 3,5 Milliarden subventioniert.
Khuon: Ich sehe vor allem zwei Qualitäten in dem Antrag an die Unesco. Der Diskurs zwischen den einzelnen Theaterformen hat sich dadurch intensiviert. Vor allem aber wird der Wert der Theater-, Opern- und Orchesterszene in den Mittelpunkt gerückt. Bei dem Hickhack um das subventionierte Theater wird oft übersehen, mit wie viel Neugierde und Bewunderung aus dem Ausland auf unsere Theaterszene geguckt wird.
SPIEGEL: Kulturerbe der Menschheit klingt nach Denkmalpflege.
Khuon: Alle, die denken, aha, jetzt darf nichts mehr verändert werden, irren sich gewaltig. Theater ist ja eine Kunstform, die mit ästhetischen Mitteln auf die Veränderungen in der Gesellschaft reagiert und sich deshalb auch stetig verändert. Es geht um die Fortsetzung einer Tradition ins Heute, egal ob das in einer Staatsoper oder in einer Amateurgruppe geschieht. Theater ist auf keinen Fall ein Museum.
Von CLV

DER SPIEGEL 15/2018
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