14.04.2018

KubaJurassic Park

  Raúl Castro tritt als Präsident zurück, sein Nachfolger wird ein farbloser Apparatschik. Für die Inselbewohner ändert das wenig. Sie sind damit beschäftigt, ihren absurden Alltag zu meistern – und reden offener als früher über ihre Sorgen.
Wenn man ein paar Tage durch Kuba geht und allen die Frage stellt: »Wie geht's Kuba?«, passiert etwas Interessantes. Man steht irgendwann vor einem riesigen Chor der Unzufriedenen: Verkäufer, Rentner, Zuhälter, Kellner, Studenten, Ärzte, Türsteher, Soldaten. Alle sind unzufrieden, praktisch alle finden, dass sich grundsätzlich etwas ändern muss, und erzählen von ihren Problemen. Absurden Problemen.
Der hinkende Türsteher eines Nachtklubs hat eine kaputte Hüfte und kommt seit Wochen nicht in seine Wohnung, weil jemand die Treppenstufen geklaut hat. Ein Mechaniker erzählt, dass er seit einer Woche nicht zur Arbeit gegangen ist, weil er eine Gummidichtung für die Waschmaschine sucht. Ein junger Mann erzählt, dass er, wie praktisch alle seine Freunde, mit den Eltern, den Großeltern, der Ehefrau, seinem Sohn und einem Onkel in einer Wohnung lebt; denn auf Kuba fehlen Hunderttausende Wohnungen.
Ein anderer will seinen zehn Jahre alten Hyundai mit einer halben Million Kilometern auf dem Tacho verkaufen. Da Privatleute sich kaum Neuwagen leisten können, wird fast nur mit Gebrauchten gehandelt. Mit einem guten Auto kann man Touristen herumfahren, da ist richtig Geld drin. Der 500 000-Kilometer-Hyundai kostet umgerechnet 60 000 Euro.
Eine Journalistin, Mitte 20, fleißig und jeden Tag damit hadernd, dass ihre Texte nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben, sitzt in ihrer winzigen Wohnung und diskutiert ernsthaft die Frage, warum sie überhaupt noch arbeitet. Ihre Cousine, die sie als dämlich, aber sehr attraktiv beschreibt, serviert besoffenen Amerikanern in Habana Vieja Cocktails. An guten Tagen macht sie 30 Euro Trinkgeld, so viel, wie die kluge Cousine mit dem Schreiben in zwei Monaten verdient. Die Journalistin kennt ein Restaurant, in dem der Spüler Maschinenbauer, der Koch Agrarökonom, der Kellner Tierarzt und der Eigentümer wie so oft irgendein Trottel ist, der einen Verwandten in Miami hat, der Geld schickt.
Ganz gleich, wen man spricht, jeder hat ähnliche Sorgen, und anders als früher, als Fidel Castro noch lebte, redet man auch darüber. Also: »Wie geht's Kuba?«
Zu den letzten Konstanten der Weltpolitik gehört, dass alle paar Jahre jemand einen neuen, letzten Sargnagel für Kuba herausholt. Derzeit heißt es: Hurra, der »Castrismo« endet! Nach fast 60 Jahren. Erst kolonisierten Spanier die Insel, dann machten die Amerikaner eine Art Offshore-Casinobordell daraus, danach übernahmen die Castros.
So viel stimmt: Raúl Castro, der große kubanische Nichtcharismatiker, legt kommende Woche sein Präsidentenamt nieder. Mit 86. Nach zehn Jahren, ein paar zarten Wirtschaftsreformen und nicht einer guten Rede. 17 Monate nach dem Tod seines Bruders Fidel. Die Immobiliengeier in Miami und in den spanischen Hotelzentralen stehen mal wieder vor dem Running Gag der Weltpolitik: Das Ende des Sozialismus auf Kuba naht. Angeblich.
Gorbatschows Perestroika, Fidels Krankheit, Obamas Besuch, Venezuelas Wahnsinn, sie alle kündigten das Ende an, der Todgeweihte starb aber nicht.
Ändert Raúls Abgang etwas? Kommt er nun, der Wandel?
Erst mal kommt so gut wie nichts, und zwar leibhaftig. Sein Name ist Miguel Díaz-Canel, maximal dröger Graumelierter mit Angela-Merkel-Charisma. 57 Jahre alt, derzeit Vizepräsident. Er wird aller Wahrscheinlichkeit nach kommenden Donnerstag vom Parlament zum Nachfolger Raúls gewählt: Parteisoldat aus Villa Clara, Elektroingenieur, früher als Reformer geltend, großer Freund der Kunst, weißer Hemden und sperriger Politbürosätze. Mittlerweile, sonst hätte man nie von ihm gehört, von Raúl Castro als vertrauenswürdig eingestuft, sprich: ein Hardliner.
Das alles ist zugleich ziemlich unwichtig, denn es wird erwartet, dass Raúl weiter im Hintergrund wirkt. Die einen sagen, dass auf der Insel die Kommunistische Partei herrsche. Die anderen, darunter so ziemlich jeder Diplomat Havannas, sagen, eigentlich herrsche das Militär.
Dem gehört fast alles, was auf Kuba Devisen verdient, zum Beispiel weite Teile des brandneuen »Manzana Kempinski« samt angeschlossener Luxusmall in bester Stadtlage. Vom grandiosen Dachpool hat der gehobene Neckermann-Tourist einen fantastischen Verelendungsblick auf Havanna. Pool, Mall und Hotel unterstehen dem Verteidigungsministerium. Wie auch Strandresorts in Varadero und auf Cayo Coco sowie die kubanischen Pendants der DDR-Intershops. Die Revolutionären Streitkräfte kontrollieren weite Teile des Fremdenverkehrs. Auch auf Kuba muss man dem Geld folgen, um zu verstehen, wer das Sagen hat.
Der mutmaßliche neue Präsident Díaz-Canel ist für die Außenwirkung da. Das Gesicht Kubas. Hirn und Faust wechseln nicht. Raúl Castro bleibt Chef der Kommunistischen Partei und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Mindestens noch fünf Jahre. Simultan wird derzeit an der sozialistischen Verfassung geschraubt, um die »revolución« institutionell noch ein wenig fester einzudrehen. Also: Entwarnung, es bleibt noch genug Zeit, dem kubanischen Sozialismus beim Sterben zuzusehen.
Oben thront Raúl, darunter sein Jurassic Park von Politbüro-Recken. Unten tobt das karibische Gute-Laune-Paradies für jährlich vier Millionen Touristen, von denen viele nicht ahnen, wie schwer es für Kubaner ist, in einem unsanierten Sechzigerjahre-Themenpark zu leben.
Aber da der Wandel selten von oben in die Welt kommt, sucht man ihn besser von unten. Man stellt die Frage, »wie es Kuba geht«, und hat irgendwann das Gefühl, dass der Wandel einem dieser kubanischen Bautrupps ähnelt: sachte, langsam, sodass keiner merkt, dass es schon losgegangen ist.
Ángel Santiesteban ist ein grandioser Schreiber und mit der Führung ganz offiziell überquer. In 15 Sprachen sind seine Bücher übersetzt worden, das letzte ist nur in Deutschland erschienen; die Kritiken waren hymnisch. Seit elf Jahren darf er auf Kuba nicht mehr veröffentlichen. Santiesteban sitzt am Malecón, Havannas berühmter Uferpromenade, blättert in der Parteizeitung »Granma« und versucht, nicht zu schreien. Ein freundlicher, kräftiger Mann von 51 Jahren, den die Zeit im Gefängnis in einen der leisesten Kubaner verwandelt hat, die man je erlebt hat. Ein Schreiber, dem die Leser verwehrt werden. Was ist er? Richtig. Verdammt wütend.
»Kuba ist eine Diktatur«, sagt Santiesteban, »wer das bezweifelt, hat nie hier gelebt. Und wenn Díaz-Canel versuchen sollte, irgendetwas daran zu ändern, wird er verschwinden.« Santiesteban erwartet grundsätzlich nur Niedertracht von der kubanischen Politik. Früher, als er noch kompromissbereiter war, gewann er staatliche Literaturpreise. Er bekam sogar mal eine Wohnung, weil er zwei prämierte Kurzgeschichten zurückzog, die von der Sinnlosigkeit handelten, kubanische Soldaten zum Kämpfen nach Angola zu schicken. Seit er sich nicht mehr selbst zensiert, erscheinen seine Bücher nicht mehr. Er hat sich mit dem An- und Verkauf von Autos über Wasser gehalten. Der deutsche Fischer-Verlag hat ihm 10 000 Euro Vorschuss für seinen letzten Erzählband überwiesen. Dieses Geld und der Ruhm sind sein Panzer. »Ich schreibe über Nutten, Häftlinge und unsere Soldaten, die im Angolakrieg waren. Menschen, die leiden. Das hilft nur den Yankees, sagen sie.«
Sie, das ist die Diktatur, das Castro-Regime, das laut Santiesteban nur eine Sprache versteht: Härte.
»Trump ist der größte Hoffnungsträger für unser Land«, sagt er dann. Ihm ist es mittlerweile egal, ob Trump verrückt ist, ob er die historische Annäherung, die sein Vorgänger mit Kuba erreicht hat, wieder einreißt. »Die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde. Vielen Kubanern reicht es jetzt einfach.« Und trotzdem weiß er: Mit Kubanern ist kein Umsturz zu machen.
»Das System ist so, dass für die meisten nur der nächste Tag zählt. Wenn sie heute die Arbeit verlieren, weil sie gestern auf einer Demonstration waren, wer ernährt morgen die Familie? Keiner traut sich.«
Kaum hat er den Satz gesagt, möchte Santiesteban ihn erklären: Natürlich geht kein Kubaner für die umgerechnet 15 bis 20 Euro Monatsgehalt arbeiten. »Kubaner gehen arbeiten, um zu klauen.« Ministeriumsbeamte nehmen Druckerpapier mit, um es an private Restaurants zu verkaufen, die damit Pizzen einwickeln. Der Koch macht die Portionen kleiner, damit er abends etwas mitnehmen kann. Die offiziellen Fahrer, die man als Tourist buchen kann, um über die Insel gefahren zu werden, haben Neuwagen und fahren trotzdem nur 80. Warum? Sie sparen Benzin, das sie am Fahrtende für sich abzweigen. Das erklärt, warum auf Kubas Landstraßen regelmäßig nagelneue VW von 60 Jahre alten Buicks überholt werden.
»Wer nicht klaut, wer keine Verwandten in Miami hat, wer keinen Kontakt zu Touristen und ihren Devisen hat, für den ist Kuba die Hölle«, sagt Santiesteban.
Zweimal war er im Gefängnis. Seit seiner Freilassung 2015 wird er beschattet. Die Bewacher geben sich nicht mal besondere Mühe, sich zu verstecken. Sie stehen am Ende seiner Straße und greifen sich demonstrativ mit beiden Händen in den Schritt, wenn Santiesteban sie entdeckt. Er macht das jetzt auch.
Santiestebans Positionen sind schlüssig, aber möglicherweise nicht mehrheitsfähig. Worin er recht zu haben scheint, ist das Gefühl, dass es vielen reicht. Früher senkten Kubaner intuitiv die Stimme oder schlossen die Fenster, wenn sie über Fidel Castro oder die Kommunistische Partei sprachen. Das ist nun anders. Keiner macht mehr die Fenster zu. Obwohl Kuba natürlich noch immer ein funktionierender Spitzelstaat ist. Ausgebildet von den Besten: der Stasi.
Aber die Unzufriedenen fürchten sich nicht mehr. Sie sind besser informiert. Wissen, was sie früher nur ahnten.
Seit 2016, auch das eine von Raúls Reformen, haben mehr Kubaner Zugang zum Internet. Die Preise sind gefallen. Das verändert die Insel der Ahnungslosen mehr als drei Assoziierungsabkommen mit der EU. Etwa 80 Eurocent kostet die Stunde im Internet, noch immer zu teuer für viele, aber billiger als zuvor. Einige Plätze in Havanna haben jetzt Hotspots. Überall sieht man Kubaner, gesenkter Kopf, gebannt auf das Handy starrend, wie überall, nur dass sich oft mehrere einen Bildschirm teilen.
Wer kann, ist auf Facebook. Schwer zu sagen, ob die alten, mächtigen Männer im Revolutionspalast wissen, worauf sie sich da eingelassen haben. Twitter, Facebook, YouTube und was man damit alles anstellen kann. Bisher sind es lediglich 41 Websites, die man von Kuba aus nicht erreichen kann. Es dürften wohl mehr werden, je mehr die Unzufriedenen mitbekommen.
Einer dieser Unzufriedenen heißt nicht Juan Castillo, aber man sollte ihn schützen, sonst verliert er womöglich die 15 Euro Rente, die er bekommt. Er ist 70, seit fünf Jahren im Ruhestand. Mit den 15 Euro kann er eine Woche überleben. Der Rest muss woanders herkommen.
Castillo hat Biologie studiert und für das Landwirtschaftsministerium gearbeitet. Er war damals bei der »Gran Zafra« dabei, der großen Zuckerrohrernte. Jeder Kubaner kennt die Geschichte. 1970 forderte Fidel von den Kubanern zehn Millionen Tonnen Zucker, um unter anderem die Schulden bei der UdSSR abzuzahlen. Schüler, Hausfrauen, Fabrikarbeiter, Beamte, Teile der Armee, sogar Touristen wurden eingespannt, um das aberwitzige Planziel zu erreichen.
»Kampf bis zum letzten Rohr«, forderte Fidel und landete bei 8,5 Millionen Tonnen. Das Experiment wurde nie wiederholt. Aktuell produziert Kuba keine zwei Millionen Tonnen. Zwischenzeitlich wurde sogar Zucker importiert. Das Land war mal der größte Zuckerproduzent der Welt.
Castillo bekam damals einen roten Lada von der Partei. An ihm hatte es nicht gelegen. Seine Felder waren im Plan. Er trägt eine dicke Brille, ein helles Hemd, sitzt in seinem Lada und fragt: »Sie sind Tourist? Für 15 Pesos kann ich Ihnen eine schöne Mulattin besorgen.«
Hat er das wirklich nötig?
Castillo ist ein kluger Mann. Er klingt etwas wirr, wenn er Englisch spricht, aber sein Spanisch ist das eines gebildeten Wissenschaftlers. Er hat an den Sozialismus geglaubt. Er glaubte an die Kraft der Idee, an die Niedertracht des Imperialismus. Er glaubte an das, woran alle optimistischen, gebildeten, eher links eingestellten jungen Menschen in den Sechzigerjahren glaubten.
Nicht geglaubt hätte er, wie wichtig der rote Lada werden würde. »Mein Vater gab das Leben für die Revolution, ich meine Jugend, am Ende fahre ich Taxi«, sagt Castillo. Man könnte anfügen: »Und bietest Mädchen an, weil auch das nicht reicht.«
Castillo fährt nach Hause, er hat eine Wohnung in einem unsanierten Plattenbau – damals ein Privileg für die besonders Treuen. Heute eine Bruchbude, die unter Palmen noch trauriger wirkt. Direkt vor dem Eingang hat er einen Gemüsegarten angelegt. Keine zehn Quadratmeter. Erdbeeren, Kürbisse, Tomaten, Zwiebeln, Salat. Die Taxi-Einkünfte, die Provision der Mädchen und der Garten. Das ist geblieben nach all den Jahren. Und der Lada. Seine Alterssicherung. Er wird ihn verkaufen und davon leben. »Ich bin auf den Wahnsinn angewiesen.«
Als Castillo kurz darauf an einem Kontrollposten der Polizei vorbeifährt, bricht es aus ihm heraus. Er muss den Gurt anlegen, der leider kaputt ist und für den nirgendwo Ersatz zu haben ist. Einen Strafzettel wegen des kaputten Gurtes würde er dennoch bekommen. »Dieses Land ist eine Schande«, sagt Castillo.
Irgendwann tut einem Kuba fast leid. Man könnte meinen, die Insel versänke bald im Meer. Die meisten wollen weg. Bleiben will nur der, der Devisen hat. Dollar aus Miami, Euro von den Touristen. Mit genug harter Währung in der Tasche ist Kuba ohne Frage ein Paradies. Aber das ist so ziemlich jedes Land.
Es muss doch jemanden geben, der Kuba so verteidigt, wie es ist. Oder wenigstens, wie es versucht zu sein. Fragt man Kubaner, ob sie einen richtigen »Fidelisten« kennen, einen Fidel-Fan also, scherzen sie, dass der letzte wahre »Fidelista« vor anderthalb Jahren verstorben sei: Fidel selbst.
Nach viel Mühen und ziemlich vielen Telefonaten trifft man Pedro Salas. Er sitzt in Vedado, in dem Haus einer Freundin. Er versucht es mit Aufrichtigkeit. Auch er mit geändertem Namen. Graue Haare, Mitte 60, kluge Augen, schneller, präziser Redner, der sein Leben beim staatlichen Fernsehen bestreitet. Ein Berufspropagandist. Und ein sehr angenehmer Mann.
»Ich träume von der klassenlosen Gesellschaft, aber die hat Kuba nicht. Kuba hat eine bekloppte Gesellschaft«, sagt Salas.
Auch er schimpft also. Allerdings nicht auf die Idee, sondern auf deren Umsetzung. Salas glaubt noch immer, dass die Menschen gleich sein sollten, dass das alte »Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen« gelten sollte, das marxistische Leistungsprinzip, dessen Problem darin liegt, dass es keins ist.
»Wir haben das Arbeiten verlernt. Das Ende der Ausbeutung haben viele als das Ende der Arbeit missverstanden. Dass der Arzt nichts kostet, heißt nicht, dass man als Oma da jeden Tag zum Blutdruckmessen hinmuss, weil man sich langweilt.«
Wenn man ihm erzählt, dass man jemanden kennt, der seinen Gasherd immer laufen lasse, weil das Gas fast nichts kostet, aber Streichhölzer schon, nickt Salas genervt. »Wie viele dieser Geschichten brauchst du?«
Salas lehnt sich in den Stuhl zurück. Er wird inzwischen von seinen Freunden aufgezogen, weil er nicht aufgeben will. »Es geht in die falsche Richtung gerade.«
Raúls Reformen hätten die falschen Leute an die Spitze der Nahrungskette gespült. Mit jeder kleinen Konzession, jeder kleinen Lizenz werde es für einfache Arbeiter und Akademiker, die nicht an Devisen kommen, schwerer. Gewinner seien die Trickser, die Goldritter und die Glückspilze, findet Salas, diejenigen, die in diesem innerkubanischen Kapitalismus-Biotop ihre Nische gefunden haben. »Es müsste doch reichen, zur Arbeit zu gehen.«
Er wird immer wütender, je mehr er über die Kubaner nachdenkt. Er klingt wie ein Altkommunist aus Hohenschönhausen: Die Menschen sind schuld, nicht das System.
»Uns geht es doch gut im Vergleich.« Man müsse sich nur andere Länder anschauen. Haiti, gleich nebenan, zum Beispiel, ein Desaster. Haitianer würden viel für Kubas Schulen und Krankenhäuser geben. Und natürlich stimmt das. Es spielt aber keine Rolle. So wie es 1988 in Leipzig und Dresden keine Rolle spielte, dass es Albanien noch viel schlechter ging.
Pedro Salas, der überzeugte Fidelist, der den Sozialismus verteidigt, hat keine Lösung, wie man den »Castrismo« verändern kann, damit das sozialistische Kuba überlebt. »Was soll ich sagen? Meine beiden Söhne leben in den USA.«
Verstehen Sie Ihre Söhne?
»Ich wollte nicht, dass sie gehen.«
Das war nicht die Frage.
»Natürlich verstehe ich sie.«

Mit genug harter Währung ist Kuba ein Paradies. Aber das ist so ziemlich jedes Land.

DER SPIEGEL 16/2018
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Kuba:
Jurassic Park