28.04.2018

 Markus Feldenkirchen  Der gesunde MenschenverstandAsibnb

Neulich hörte ich am Nebentisch, wie zwei Männer damit prahlten, wie leicht es sei, Amerikaner abzuzocken. Einer erzählte, er habe seine 45-Quadratmeter-Wohnung in Berlin-Mitte jetzt den Sommer über an ein Pärchen aus New York vermittelt. Für mehr als 2000 Euro im Monat. Und die hielten das sogar noch für ein Schnäppchen. Der andere vermietet seine ähnlich große Wohnung nur wochenweise, nimmt dafür aber 1000 Euro. Beide Herren hatten denselben Komplizen für ihre Abzocke.
Airbnb.
Wie viele andere Ideen aus dem Silicon Valley klang auch die Airbnb-Idee anfangs sympathisch, sie hatte sogar einen sozialen Kern. Menschen sollten bei Menschen übernachten, in deren Privatwohnung oder WG. Endlich gab es eine Alternative zu anonymen Hotels. Airbnb stand für ein individuelles Reisen, für Völkerverständigung zu schmalen Preisen. Ein Hauch von Interrail. Nur ohne Zug.
Dann kamen die Geier. Inzwischen ist Airbnb eine Hüpfburg für gierige Privatbesitzer und professionelle Spekulanten. In beliebten Großstädten trieben Airbnb und andere Plattformen die Mieten in die Höhe und sorgten für die Verknappung von Wohnraum. Aus der kurzfristigen Vermietung über Airbnb lässt sich nämlich zigfach so viel Profit schlagen wie aus einer gesetzestreuen, langfristigen Vermietung. In Palma de Mallorca sind die Mieten in den vergangenen fünf Jahren auch wegen dieser Zweckentfremdung von Wohnraum um rund die Hälfte gestiegen. In Berlin, Hamburg, Köln oder München stiegen die Mietspiegel ebenfalls drastisch. Diese asoziale Seite von Airbnb fand bislang eher weniger Beachtung.
In Berlin versuchte die Politik, mit immer neuen Maßnahmen wenigstens halbherzig gegenzusteuern. Aber um diese zu kontrollieren, fehlten Geld und Personal.
Wie man es macht, hat nun die Regierung der Stadt Palma de Mallorca gezeigt. Sie will die Vermietung auf Airbnb ab 1. Juli einfach verbieten. Es ist gar nicht schwer und tut nicht mal weh. Viel zu lange wurde über die Ohnmacht der Politik gegenüber global operierenden Internetgiganten gejammert. Am meisten jammerten darüber übrigens Politiker selbst.
Dabei gibt es ein schönes, bewährtes Mittel gegen Selbstmitleid, Larmoyanz. Was es braucht, ist beherztes, entschiedenes Handeln.
Hasta la victoria siempre! Das ist Spanisch und bedeutet: Von Palma lernen heißt siegen lernen. So ungefähr jedenfalls.
An dieser Stelle schreiben Jakob Augstein, Jan Fleischhauer und Markus Feldenkirchen im Wechsel.
Von Markus Feldenkirchen

DER SPIEGEL 18/2018
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