05.05.2018

DieselaffäreAustralische Autofahrer treiben VW in die Enge

•  Ein Prozess vor dem höchsten Bundesgericht in Australien bringt Volkswagen im Dieselskandal in Bedrängnis. In einer Sammelklage wird dem Konzern und seinen Töchtern Audi und Škoda vorgeworfen, etwa 100 000 Fahrzeuge mit einer Betrugssoftware ausgestattet zu haben. Wie in anderen Ländern verfügte die Motorsteuerung der Autos über zwei verschiedene Stufen: einen sauberen »Testmodus« für den Prüfstand und einen »Kundenmodus« für die Straße, in dem die Abgasreinigung zurückgefahren wurde. Klägeranwalt Jason Geisker spricht von einer »sehr signifikanten Manipulation und Täuschung«. Das Besondere an dem Prozess in Australien, der im März begonnen hat: VW hat nach Darstellung der Kläger erstmals eingeräumt, dass die Fahrzeuge die Zulassungstests im schmutzigeren Straßenmodus, also ohne Schummelfunktion, nicht bestanden hätten. Dies sei ein »Eingeständnis von globaler Bedeutung«, sagt Geisker, bislang habe der Konzern lediglich in den USA Betrug zugegeben. VW, dessen ehemaliger Chef Martin Winterkorn vom US-Justizministerium der Mittäterschaft beschuldigt wird, sieht das anders und bestreitet vor Gericht weiterhin, gegen Landesgesetze verstoßen zu haben. Auch wehrt sich der Konzern gegen die Forderung der Kläger, die Namen der Mitarbeiter zu nennen, die an der Abschalteinrichtung beteiligt waren. Gleichzeitig gibt es bei VW Überlegungen, den Prozess mit einem Vergleich zu beenden – um einen Präzedenzfall zu verhindern. Denn ein Urteil gegen VW in Sydney hätte auch Signalwirkung für Kläger in Deutschland: Australien folgt denselben Emissionsstandards wie Europa. VW selbst weist die Anschuldigungen auf Anfrage zurück. Die Fahrzeuge entsprächen den Abgasvorschriften, »gemäß derer sie zertifiziert wurden«. Für die Sammelklage gebe es keine Rechtsgrundlage.
Von FDO, und SH,

DER SPIEGEL 19/2018
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