12.05.2018

Magische Momente»Die Idee war einfach da«

Thomas Weikert, 56, Präsident des Internationalen Tischtennis-Verbands, über eine sportpolitische Sensation
SPIEGEL: In der vergangenen Woche sollten im Viertelfinale der Mannschaftstischtennis-WM im schwedischen Halmstad die Frauenteams von Nord- und Südkorea gegeneinander antreten. Die Teams beschlossen, nicht zu spielen, sondern gemeinsam ins Halbfinale einzuziehen. Erlaubt das Reglement so etwas?
Weikert: Das geht eigentlich nicht.
SPIEGEL: Als Präsident mussten Sie die eigenen Regeln ignorieren?
Weikert: Ja, musste ich, aber es gibt Momente, in denen man erkennen muss, dass es wichtigere Dinge gibt als ein Sportreglement. Zum Beispiel die Annährung und den Frieden in Korea.
SPIEGEL: Wie kam es dazu?
Weikert: Unser Verband hat eine neue Tischtennisstiftung ins Leben gerufen. Es gab Überlegungen, unser erstes Projekt in Korea stattfinden zu lassen. Wir haben für eine Veranstaltung während der WM die beiden koreanischen Frauenteams eingeladen. Sie sollten in einem kleinen Showwettkampf gegeneinander antreten. Irgendjemand kam dabei auf die Idee, dass man die Mannschaften doch spontan zusammenlegen könnte.
SPIEGEL: Wer hatte die Idee?
Weikert: Sie war einfach da. Der Turnierverlauf deutete an, dass sich möglicherweise ein rein koreanisches Viertelfinale ergeben würde.
SPIEGEL: Mussten sich die Nordkoreaner erst in der Heimat rückversichern?
Weikert: Ja, die Zusage kam irgendwann in der Nacht.
SPIEGEL: Was ging Ihnen durch den Kopf?
Weikert: Ich kann das nicht allein machen. Ich muss die Zustimmung der Mannschaften einholen. Wenn Japan, der Halbfinalgegner, Nein gesagt hätte, wäre es nicht dazu gekommen.
SPIEGEL: Sportlich wäre das verständlich gewesen. Die gesamtkoreanische Mannschaft war stärker einzuschätzen als Nord- oder Südkorea allein.
Weikert: Die Japaner brauchten keine zwei Stunden, um zuzustimmen. Das fand ich beachtlich. Am Ende war es gleichgültig, weil sich Japan durchgesetzt hat.
Von JMO

DER SPIEGEL 20/2018
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