21.02.2000

TÜRKEICIA-Hilfe bei Öcalans Festnahme

Neue Details über die Mitwirkung Washingtons an der Ergreifung des Kurdenführers Abdullah "Apo" Öcalan in Kenia hat der türkische Journalist und Autor Tuncay Özkan vorgelegt. In seinem Buch "Die Operation", das vergangene Woche zum ersten Jahrestag der Öcalan-Festnahme erschien, berichtet Özkan, der Repräsentant des US-Geheimdienstes CIA in Ankara habe den türkischen Spionagechef S¸enkal Atasagun am Abend des 4. Februar 1999 besucht. Der Amerikaner schlug vor, Öcalan gemeinsam mit dem türkischen Nachrichtendienst MIT "zu schnappen" - unter der Bedingung, dass der Kurdenführer lebend in die Türkei gebracht und ihm ein fairer Prozess gemacht werde. Am selben Abend stimmten Präsident Süleyman Demirel und Ministerpräsident Bülent Ecevit zu. Generalstabschef Hüseyin Kivrikoglu, so Özkan, sei skeptisch gewesen. Ausgangspunkt der Operation war schließlich die südtürkische Stadt Antalya: Dort spielte ein siebenköpfiges Team türkischer Nahkampfspezialisten unter CIA-Anleitung Szenarien für die Entführung Öcalans aus Nairobi durch. Am 10. Februar flog der von einem türkischen Industriellen gecharterte Business-Jet in Richtung Kenia ab, fünf Tage später ging Öcalan den Türken ins Netz. Noch beim Betreten der Maschine, so Özkan, habe der PKK-Chef geglaubt, europäische Freunde brächten ihn in die Niederlande: An der Gangway begrüßte ihn ein großgewachsener, blonder Mann mit grünen Augen - "Apo hielt ihn für einen Westler". Um Vorwürfe von Misshandlung auszuschließen, wurde Öcalan während des Fluges gefilmt. Und das Geheimnis, wer den umstrittenen Sieben-Minuten-Mitschnitt ausgewählt und an die Presse lanciert hat, scheint nun auch gelüftet: Laut Özkan war es Geheimdienstchef Atasagun persönlich.

DER SPIEGEL 8/2000
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