19.05.2018

Kommentar  Zeit für ein Abkommen

Mit ihrem Dauerstreit schaden sich Boeing und Airbus selbst. Von Dinah Deckstein
•  Es ist seit Jahren dasselbe unwürdige Ritual: Wann immer die Welthandelsorganisation WTO eine neue Entscheidung im Subventionsstreit zwischen Boeing und Airbus bekannt gibt, feiern beide das Ergebnis als Sieg – obwohl eine Seite meist eine heftige Klatsche abbekommt. Vergangenen Dienstag war wieder einmal Airbus dran. In ihrem jüngsten Urteil geißeln die Schiedsrichter, dass Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien dem Unternehmen einst viel zu billige Anschubkredite für seine Jets vom Typ A380 und A350 gewährt hatten.
Trotzdem brach bei Airbus Jubel aus. Das WTO-Berufungsgericht habe immerhin einen Großteil der übrigen Vorwürfe des Erzrivalen Boeing verworfen. Auch die Amerikaner triumphierten. Nun sei klar, dass Airbus "unfaire Geschäftspraktiken" betreibe und "illegale Subventionen" erhalten habe. Zur Strafe drohten die USA mit Sanktionen. Dabei ist über die Boeing-Gegenklage von Airbus noch gar nicht entschieden. Der Schlagabtausch zwischen den Flugzeugbauern und ihren Herkunftsländern um Anschubhilfen oder verdeckte Zuschüsse dauert inzwischen 14 Jahre. Es wird höchste Zeit, den Spuk zu beenden – und zwar nicht durch Strafzölle oder Exportbeschränkungen, sondern durch ein neues bilaterales Abkommen. So etwas gab es schon einmal. Doch der Vertrag aus dem Jahr 1992 wurde 2004 von den Amerikanern gekündigt. Ein neuer Pakt müsste beiden Konzernen enge Grenzen für die staatliche Förderung von neuen Jets setzen. Alternativ könnten die Firmen auch ganz auf Subventionen verzichten. Leisten könnten sie sich das. Der Börsenkurs von Boeing hat sich in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht, der von Airbus sogar mehr als verfünffacht. Auch Umsatz und Gewinn legten deutlich zu. Außerdem haben die Regierungen ihre Anteile bei Airbus ohnehin drastisch reduziert. Lenken die Unternehmen nicht ein, könnte sie das teuer zu stehen kommen.
Lachender Dritter könnte der chinesische Staatskonzern Comac sein. Er wartet nur darauf, seine Flugzeuge in die angestammten Märkte von Boeing und Airbus zu drücken.
Von Dinah Deckstein

DER SPIEGEL 21/2018
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