19.05.2018

GeorgienTechno-Revolte in Tiflis

•  Drogenrazzien in Technoklubs gibt es häufig, auch wenn sie meist nicht so brutal ablaufen wie die Durchsuchung zweier Diskotheken in der georgischen Hauptstadt Tiflis am vergangenen Wochenende, als schwer bewaffnete Polizeieinheiten Dutzende Raver verhafteten. Wenn sich aber schon Stunden später viele Tausend junge Leute mit Plattenspielern und Lautsprechern vor dem Parlament versammeln, um zu tanzen und den Rücktritt des Ministerpräsidenten und des Innenministers zu fordern, ist das ziemlich ungewöhnlich. Der Innenminister entschuldigte sich für das harte Vorgehen der Polizei und wies diese dann an, die Raver vor Hunderten gewaltbereiten Rechtsradikalen zu schützen, die sich zu einer Gegendemonstration versammelt hatten. Wahrscheinlich gibt es jenseits von Berlin keine Stadt, in der die elektronische Tanzmusik eine solche Bedeutung hat wie in Tiflis.
Das Bassiani, das durchsucht wurde, gilt als einer der besten Undergroundklubs Europas, die Szene ist ähnlich international wie in der deutschen Hauptstadt. Nur kommen die Leute hier vor allem aus Armenien, Aserbaidschan oder Iran, um die Freiheit der Tanzfläche zu suchen, viele von ihnen sind lesbisch oder schwul. Die Klubmacher sind selbstbewusst, hochprofessionell, gut vernetzt und unabhängig.
Seit Langem wehren sie sich gegen die drakonischen Drogengesetze Georgiens – schon der Besitz kleinster Mengen kann zu langjährigen Haftstrafen führen. Die Regierung möchte das Land gern in den Westen führen. Die Technotänzer erinnern sie nun daran, dass dazu auch Freiheiten gehören.
Von RAP

DER SPIEGEL 21/2018
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