23.06.2018

ChinaOrwell in echt

•  Peking versucht, die Uiguren im westchinesischen Xinjiang nahezu totaler Kontrolle zu unterwerfen – mit digitaler Überwachung, willkürlichen Festnahmen und politischer Umerziehung. In dem Autonomiegebiet leben etwa elf Millionen Angehörige der muslimischen Minderheit. Die Uiguren werden von der Regierung des Extremismus und des Separatismus verdächtigt, die Sicherheitsbehörden gehen mit drastischen Mitteln vor. Sie überwachen etwa den Datenverkehr und setzen Gesichts- und Stimmenerkennungssoftware ein, sodass selbst Uiguren im Ausland Angst haben, am Telefon über die Repressionen in Xinjiang zu reden, um ihre Familien dort nicht zu gefährden. »Uiguren fühlen sich inzwischen weltweit überwacht«, sagt Maya Wang von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.
In Xinjiang selbst sitzen nach konservativen Schätzungen von Human Rights Watch Zehntausende Uiguren unter Extremismusverdacht, aber ohne Gerichtsverfahren in Internierungs- und Umerziehungslagern. Andere Experten gehen sogar von bis zu einer Million Internierten aus. Zudem betreibt Peking engmaschige Polizeikontrollen und Bespitzelung; Videokameras sind überall. Auch Zeid Raad al-Hussein, der scheidende Uno-Hochkommissar für Menschenrechte, beklagte in seiner Abschiedsrede am vorigen Montag die sich »rasch verschlechternde Lage« in Xinjiang und forderte Peking auf, unabhängige Experten in die Region reisen zu lassen.
Dolkun Isa, der im Münchner Exil lebende Präsident des Uigurischen Weltkongresses, sagt, die chinesische Regierung habe »Konzentrationslager« errichtet. Niemand wisse, wie viele Menschen schon gestorben seien, der Westen dürfe dazu nicht schweigen. Eine gute Gelegenheit für die Bundesregierung, die Lage in Xinjiang anzusprechen: die deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen Anfang Juli.
Von BZA

DER SPIEGEL 26/2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 26/2018
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

China:
Orwell in echt

  • "Uber Boat": In Cambridge kommt der Kahn per App
  • Archäologie: Jahrtausendealtes Wandrelief in Peru entdeckt
  • 23.756 Container: Weltgrößtes Containerschiff in Bremerhaven
  • Video aus Großbritannien: Panne bei Kühlturmsprengung