23.06.2018

GESTORBENXXXTentacion, 20

Sein Tod sorgt für Aufsehen. Weil er noch so jung war. Weil er als einer der talentiertesten Musiker seiner Generation galt. Und: weil er auf offener Straße erschossen wurde. Wer seine Musik hört und schätzt, sieht sich mit der Frage konfrontiert, ob man Werk und Künstler voneinander trennen kann, ob Moral und Ästhetik etwas miteinander zu tun haben sollten oder nicht. XXXTentacion, der bürgerlich Jahseh Onfroy hieß, wuchs in schwierigen Verhältnissen in Florida auf. Schon früh geriet er in einen Kreislauf aus Gewalt und Drogen. Als er 2013 aus dem Jugendarrest entlassen wurde, begann er Musik zu machen. Zwei Jahre später wurde er unter anderem wegen Hausfriedensbruch angeklagt. Im selben Jahr nahm er den Song »Look at Me!« auf, einen harten, dreckigen Schrei nach Aufmerksamkeit, elegant gerappt über einen düsteren Beat. Er machte ihn augenblicklich in der Rap-Szene berühmt. Es folgten zwei Alben innerhalb von sieben Monaten, »17« und »?«, Letzteres schaffte es auf Platz eins der amerikanischen Album-Charts. Es sind traurige Lieder, die sich nicht an Genre-Grenzen halten und denen der Tod immer schon eingeschrieben schien. Auf Rap folgt Gesang, auf kühle Beats eine akustische Gitarre, die nach Folk klingt. Er verehrte Kurt Cobain. XXXTentacion war gerade für viele Teenager ein Idol. Und gleichzeitig war er ein abschreckender Mensch, der gewalttätig war. Sein wohl drastischstes Verbrechen beging er an seiner Freundin, die er schlug, würgte und kurzzeitig verschleppte. Das Urteil dafür stand noch aus. Die Diskussion, ob man seine Musik feiern kann, ohne Gewalt zu verharmlosen, wird kein Ende finden. Warum er getötet wurde, ist noch nicht geklärt. XXXTentacion starb am 18. Juni in Deerfield Beach, Florida.
Von XVC

DER SPIEGEL 26/2018
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