30.06.2018

MarokkoDie Milch macht's

•  Diesmal gehen die Marokkaner nicht auf die Straße, um gegen Armut, Korruption und Vernachlässigung zu demonstrieren. Nein, diesmal lehnen sich Hunderttausende Marokkaner schweigend gegen ihre korrupten Eliten auf, indem sie seit April drei große Konzerne, darunter eine Danone-Tochter, wegen Preiserhöhungen boykottieren. An dem Lebensmittelbetrieb war das Königshaus bis vor wenigen Jahren beteiligt, die anderen Firmen sind in der Hand von Amtsträgern. Wer den Boykott initiiert hat, ist unbekannt; aber der Aufruf hat sich rasant über die sozialen Medien verbreitet – und führte zu großen Einbußen der Konzerne. Danones Marktanteil an Milch hat sich etwa halbiert. Die Firmen nehmen den Volkszorn daher ernst. Auf Facebook wandte sich der Danone-Chef am Dienstag direkt an die wütenden Bürger, danach besuchte er das Land und versprach, den Milchpreis zu senken. Ein erster Erfolg des Boykotts. Zugleich, wie um ein Signal an die Widerständler zu senden, wurden am Dienstag rund 50 Teilnehmer der Proteste von 2016/17 verurteilt; ihr Anführer und drei weitere Demonstranten bekamen sogar 20 Jahre Haft. Auf den Boykott jedoch hat die Regierung noch keine Antwort gefunden. Der Wirtschaftsminister warnte, ausländische Investoren könnten abgeschreckt werden.
Von RAS

DER SPIEGEL 27/2018
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